Studie zeigt: Kinder bekommen zu viel Fleisch

Sind 2,95 Euro genug für ein gesundes Kita-Mittagessen?

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Kita-Kinder bekommen laut Studie zu ungesundes Mittagessen.

Region Rhein-Main – Eine Studie hat aufgedeckt, dass viel zu oft Fleisch auf den Tellern der Kita-Kinder landet. Eine ausgewogene Mahlzeit ist teuer – sie sollte rund vier Euro kosten. Im Kreis Offenbach liegt der Preis deutlich drunter. Von Angelika Pöppel

Täglich essen über 1,8 Millionen Kinder in einer Kindertagesstätte zu Mittag. Doch was genau landet auf dem Teller? Eine bundesweite Studie der Bertelsmann-Stiftung  beweist: Viel zu oft gibt es Fleisch. Die Auswertung zeigt, dass nur zwölf Prozent genügend Obst anbieten – Fleisch dagegen gehört in rund 75 Prozent der Kitas zu einer Mahlzeit dazu. Viel zu viel, laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung  (DGE). Demnach reicht eine fleischhaltige Mahlzeit pro Woche aus. Für eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst müssten Eltern aber bundesweit 750 Millionen Euro mehr, als bisher zahlen – das ist das Ergebnis der Studie.

In Seligenstadt kostet das Essen nur 2,80 Euro

Eine Mahlzeit würde damit mit rund vier Euro zu Buche schlagen. Doch im Schnitt zahlen Eltern nur 2,40 Euro. Auch im Kreis Offenbach gibt es Unterschiede. Die Preise liegen pro Mahlzeit zwischen 2,95 Euro in Rodgau, über drei Euro in Dieburg, Heusenstamm und Rödermark bis hin zu 3,40 Euro in Dietzenbach. In Seligenstadt zahlen Eltern bisher nur 2,80 Euro. Die Kosten für das Mittagessen in den städtischen Einrichtungen Kita Käthe Münch  und Krippe Minimäuse  werden aber derzeit neu verhandelt, sagt Ilka Hauke  von der Stadt.

Die Qualität leidet unter dem Preis nicht – darüber herrscht Einigkeit: „Bei uns wird selbst gekocht, und wir orientieren uns an der Ernährungspyramide“, sagt Leiterin Anke Vollkopf  vom Kinderhort Eisenbahnstraße  in Dreieich. Nur einmal pro Woche gäbe es Fleisch und Fisch, dazu Salat und Rohkost. „Die Kinder der städtischen Kindertagesstätten bekommen nicht zu viel Fleisch“, versichert auch Maria Schmitt-Küchler von der Stadt Rödermark. Die Kitas richten sich nach neuesten Standards. Viele Kitas verzichten auch komplett auf Schweinefleisch. Hintergrund: Einige ausländische Kinder essen das Fleisch aus religiösen Gründen nicht.

Zweimal in der Woche Fleisch in Rodgau und Seligenstadt

Auch in Dieburg setzt die evangelische Kita „Am Ruhbäumchen“ auf viel Gemüse und Obst aus der Saison: „Wir versuchen auch fleischlos attraktiv zu kochen“, sagt Leiterin Heike Konz. Genauso halten es auch die städtischen Kitas in Dietzenbach und Dreieich. „Unsere Küchenkräfte werden zusätzlich einmal im Jahr geschult, um sich fachlich mit gesunder Ernährung und deren Umsetzung in der Kita auseinanderzusetzen“, sagt Anne Stein  von der Stadt Dreieich, zuständig für Kinderbetreuung. Ein Blick auf den Speiseplan der Kita in der Freiherr-Von-Stein-Straße in Rodgau-Dudenhofen verrät aber: Montag Hähnchengyros, Dienstag Fischstäbchen, Mittwoch überbackene Nudeln, Donnerstag Rinderbraten, Freitag Gemüsesuppe – „in der Regel gibt es einmal bis zweimal Fleisch in der Woche“, sagt Maria Schmitt-Küchler  von der Stadt Rodgau. Auch in Heusenstamm und Seligenstadt steht ein- bis zweimal pro Woche Fleisch, aber auch einmal Fisch auf dem Plan. Die Seligenstädter Kita-Kinder werden von der Metzgerei Fecher beliefert. „Tierische Lebensmittel liefern zwar hochwertiges Eiweiß und Mineralstoffe, doch gehören Fleisch und Wurst seltener auf den Speiseplan“, heißt es von der DGE. Eine vegane Kost – ohne tierische Lebensmittel – empfiehlt die Ernährungsgesellschaft dagegen nicht

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