Immer mehr Geschäfte geben auf

Bornheim: Die Zukunft der Berger Straße

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Geschäftiges Treiben am Uhrtürmchen in Bornheim-Mitte.

Frankfurt - Der erste Blick auf den Platz am Uhrtürmchen in Bornheim-Mitte mag täuschen. Es herrscht geschäftiges Treiben, besonders mittwochs und samstags zum beliebten Wochenmarkt. Alles in Ordnung auf der Berger? Leider ist das nicht so.

Seitdem die Großmieter Saturn und Woolworth geschlossen haben, ist die Kundenfrequenz auch in den umliegenden Geschäften spürbar zurückgegangen. Claudia Paschen, Inhaberin der Eichwald Apotheke, findet, dass die Straße problematisch geworden sei. „Wir müssen durchhalten“, sagt sie. Weniger Sorgen machen sich Klaus und Ruth Bund von der „Sockenkiste“: „Unsere Qualität wird geschätzt“. Ute Eckert von „Blumen Peinelt“ möchte ihr alteingesessenes Geschäft gerne erfolgreich fortführen und hofft, dass leer stehende Läden bald wieder vermietet werden. „Nur eine lebendige Geschäftsszene in der Straße zieht Besucher an und lädt zum Verweilen ein“, kommentiert sie. „Wir haben sechs Leerstände auf der Berger Straße zwischen Höhenstraße und der ehemaligen Woolworth-Filiale, die Geschäftsleute dort verzeichnen Umsatzeinbußen zwischen 20 und 40 Prozent“, erklärt Franz Steul junior, Erster Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim Mitte.

Geschäftsleute geben auf

So haben einige Geschäftsleute aufgegeben, weil sie keine Perspektive mehr sahen. Nicht nur die 56 Mitglieder des Gewerbevereins suchen nach Lösungen, auch alle anderen Geschäftsinhaber wollen dem negativen Trend entgegenwirken. Es gibt beispielsweise Flyer mit Rabattaktionen, eine Neuauflage des Bornheim-Führers wird demnächst erscheinen. Es sei schwierig, mit Hausverwaltungen und Eigentümern ins Gespräch zu kommen, oft wohnten die Besitzer nicht in Frankfurt, weiß Steul. Verhandlungen könnten allerdings sinnvoll sein: „Leerstände tun weder der Immobilie noch dem Eigentümer und schon gar nicht der Straße gut“, erklärt Steul. Ein Vorschlag wäre, neuen Geschäftsgründern eine zeitlich begrenzte Vermietung zu Sonderkonditionen anzubieten. „Damit würde die Straße belebt, der Vermieter hat Einnahmen, selbst wenn sie nicht so hoch sind, und könnte nach Ablauf der vereinbarten Zeit neu verhandeln“, sagt der Vorsitzende des Gewerbevereins.

Gewerbeverein hat weitere Ideen

Die Stadt hat Unterstützung zugesagt, allerdings sind ihr aufgrund des Eigentumsrechts die Hände gebunden – zwingen kann sie keinen Hausbesitzer zu einer Sonderregelung. Deshalb hat der Gewerbeverein noch weitere Ideen in der Schublade. Temporäre Märkte beispielsweise könnten die Straße beleben. 2015 wird Woolworth wieder in das renovierte Gebäude einziehen, allerdings auf einer kleineren Fläche. Auch ein Drogeriemarkt hat Interesse angemeldet. Saturn will ebenfalls zurückkehren, hier gibt es jedoch noch keine konkreten Termine. Die obere Berger muss gegenwärtig eine Durststrecke überwinden. Abwarten in Schockstarre hilft nicht – jede gute Idee zur Belebung der Einkaufsmeile ist gefragt. Sonderbarerweise ist der Andrang auf Wohnungen in Bornheim ungebremst. Nur Geschäftsleute überlegen sich zurzeit zweimal, ob sie in einem der beliebtesten Viertel ihren Laden eröffnen wollen. jf

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