Frankfurter untersucht Gefängnis-Wahrnehmung

Blick auf den Stacheldrahtzaun

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Benedikt Kroll liest viel in der Bücherei, um mehr über die Geschichte der Justizvollzugsanstalt Frankfurt zu erfahren.

Frankfurt - Benedikt Kroll studiert Kulturanthropologie in Frankfurt. Er untersucht derzeit die Wahrnehmung der Gefängnisanlagen in Preungesheim. Von Silke Gottaut

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Hohe graue Mauern. Kilometerlanger Stacheldrahtzaun. Angsteinflößend und kühl wirkt sie – die Justizvollzugsanstalt Frankfurt in Preungesheim. Mitten in der Großstadt sitzen Häftlinge hinter Gittern. Rund um das Gefängnis ist es alles andere als seelenruhig, denn direkt gegenüber oder nebenan wohnen Menschen. In vielen Städten ist das anders, denn da liegt das Gefängnis außerhalb der Stadt.

Benedikt Kroll ist Stadtteil-Historiker bei der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt und beschäftigt sich mit der Wahrnehmung der Gefängnisanlagen in Preungesheim. „Ich habe mir die Frage gestellt, was die Menschen denken, die rund um das Gefängnis leben“, erklärt Kroll. „Wie fühlen diese sich? Denken sie über Gefangene anders, da in den Medien meist nur Schlechtes über sie berichtet wird? Oder aber auch: Wie kommt man dazu, dort zu wohnen, wo Straftäter direkt gegenüber gefangen sind?“

Kroll bekam Einblick ins Gefängnis

Der 23-jährige Student hat seine Bachelorarbeit im Fach Kulturanthropologie bereits fertig geschrieben. Dabei ging es um die Entlassungsvorbereitungen langjährig inhaftierter Straftäter. Während seine Studiums konnte Kroll Einblick in die Justizvollzugsanstalt Frankfurt bekommen. „Es war sehr interessant, die andere Seite einmal kennen zu lernen“, sagt Kroll. Als er wieder auf der anderen Seite der Mauer war und die Häuser der Anwohner sah, kam ihm die Frage auf, wie diese sich wohl fühlen. Um dies heraus zu finden, macht er sich nun an die Arbeit. Er befragt die Anwohner direkt und hofft, dabei viele persönliche Geschichten und Gefühle zu erfahren.

Ist ein Gefängnis mitten in der Stadt gefährlich?

Die historische Entwicklung der einzelnen Anstalten in Frankfurt spielt ebenfalls eine große Rolle, sowie die Frage, warum das Gefängnis ausgerechnet in Preungesheim ist. Einige Makler möchte er befragen, was das Besondere ist, Wohnungen nahe eines Gefängnisses zu vermieten oder zu verkaufen. Zudem recherchiert er die Kriminalitätsstatistik in diesem Stadtteil. Und noch eine wichtige Frage will er klären: Ob es nicht gefährlich ist, dass ein Gefängnis mitten in der Stadt ist? Bevor Kroll das Gefängnis betreten hat, machte er sich keine großen Gedanken.„Ist eben ein Gefängnis“, dachte der Student. Doch nachdem er nun auch die andere Seite kennt, sieht er einiges anders. Und vielleicht sehen die Anwohner dies auch. Alle Erfahrungen wird er in einem Buch veröffentlichen. Wer in der Nähe des Gefängnisses wohnt oder gewohnt hat, kann sich gerne über seine Homepage unter www.totalnachbar.de melden und ihm seine Erfahrungen berichten.

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