"An Schlaf war nicht zu denken"

Belastungsgrenze fast erreicht: Das leisten die Helfer in der Flüchtlingskrise

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Wer sich in der Flüchtlingskrise engagiert, leistet in diesen Tagen viel. Trotz der angespannten Lage haben sich die Helfer-Organisationen aber mittlerweile gut darauf eingestellt.

Region Rhein-Main – Diakonie, Johanniter und Technisches Hilfswerk stemmen sich gegen die Flüchtlingskrise. Landkreise und Städte müssen die organisatorische Herausforderung meistern. Die Belastungsgrenze ist fast erreicht, doch die Helfer wachsen über sich hinaus. Von Oliver Haas

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„Wir schaffen das!“ Der vielzitierte Spruch der Bundeskanzlerin könnte in der Flüchtlingskrise durchaus als Zusammenfassung für die Helfer in der Region gelten. In Frankfurt sind die Johanniter seit Beginn der heißen Phase Anfang September im Einsatz.
Oliver Pietsch vom Regionalverband über seine Mitarbeiter: „Am Anfang waren wir bis zu 18 Stunden täglich unterwegs. An richtigen Schlaf war kaum zu denken – höchstens drei Stunden.“ Startprobleme seien etwa gewesen, dass Lebensmittel für die Vielzahl der Flüchtlinge nicht so schnell besorgt werden konnten. „Die Lager in den Läden waren auf die Nachfrage schlicht nicht vorbereitet“, erklärt Pietsch. Mittlerweile habe sich das aber alles gut eingespielt. „Der Schichtbetrieb ist dementsprechend organisiert, so dass die Helfer auch die nötigen Ruhephasen bekommen.“

"Die Toleranz wird ausgeschöpft"

Peter Benz vom Hofheimer Ortsvereins des Technischen Hilfswerks (THW) in Hofheim hat großes Vertrauen, dass seine Mitarbeiter die Herausforderungen meistern. Aber er sieht durchaus Gefahr, dass die Belastungsgrenze seiner Kollegen durch die aktuellen Ereignisse überschritten wird. „Beruf, Familie und die täglichen Verpflichtungen des Lebens: All dies kommt zu kurz. Die Toleranz bei Familien, Arbeitgebern und Freunden wird bis an die Grenzen ausgeschöpft.“ Zwischen dem 12. September und 10. Oktober hatte das THW 47 Einsätze mit insgesamt 1200 Helferstunden. Andere Arbeit bliebe dadurch liegen. „Die geleisteten Einsätze haben Einfluss auf unseren Dienstplan, teilweise wurden Ausbildungen, Besprechungen und technische Dienste verschoben.“

Niemand weiß, wie sich die Lage noch entwickelt

Freitag vor einer Woche war im Main-Taunus-Kreis der Katastrophenfall ausgerufen worden, um bestimmte organisatorische und rechtliche Mittel in der Hand zu haben, um die Unterkünfte für die Flüchtlinge effizienter vorzubereiten. Auch wenn der Katastrophenfall wieder offiziell aufgehoben ist, sieht Kreis-Sprecher Johannes Latsch für seine Mitarbeiter die Belastungsgrenze erreicht. „Auf einen Sozialarbeiter werden wohl etwa 250 Menschen kommen.“ Dies sei einfach zu viel. Kommunen müssten das ausbaden, was beim Bund angerichtet wurde. Auch Rainer Korn, Abteilungsleiter des Personal- und Organisationsamtes der Stadt Frankfurt sieht, wie die Flüchtlingskrise den städtischen Mitarbeitern einiges abverlangt. Etwa 400 Mitarbeiter hätten sich seit September in den Flüchtlingsunterkünften freiwillig eingebracht. Auch dies funktioniert organisiert in Schichten von sieben bis 14 Uhr und 14 bis 21 Uhr. Wieviele Überstunden die Mitarbeiter des Sozialamtes dadurch leisten, könne er noch nicht sagen. „Aktueller Stand ist aber, dass wir die Lage im Griff haben“, sagt Korn. Allerdings wisse niemand, wie es sich entwickle, wenn noch mehr Flüchtlinge kämen.

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