Tranny-Treff Rhein-Main

Stammtisch für Männer in Frauenkleidern

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Beim Tranny-Treff sind Transvestiten unter sich und geben sich Tipps.

Region Rhein-Main – Wenn Transe Sandra ruft, holen Frankfurter Männer die sexy Nylonstrumpfhose hervor und machen sich chic für ihren Auftritt als Frau beim Tranny-Treff, dem Stammtisch für Männer in Frauenkleidern. Von Christian Reinartz 

Das nächste Mal findet der Tranny-Treff am Donnerstag, 20. Februar, ab 19.30 in der Venusbergbar, Uhlandstraße 21, in Frankfurt statt.

Sandra trägt ein pinkes Kleid mit Tigermuster, schwarze Nylons und Lack-Stilettos. Auf den ersten Blick könnte sie eine aufgedonnerte Frau in den Fünfzigern mit Top-Figur sein. Nur ihre tiefe, volle Stimme verrät sie sofort: „Ich bin im ganz normalen Leben ein Kerl mit Frau und Kindern, genauso wie unzählige andere da draußen, die sich nach Feierabend Frauenkleider anziehen.“ Auf allein 100 Transvestiten schätzt Sandra die Zahl der Männer im Rhein-Main-Gebiet, die sich komplett gestylt auf die Straße trauen. Die Zahl derer, die heimlich die Unterwäsche ihrer Frau anziehen würden, sei aber noch viel größer. „Es gibt zig Männer, die diesen geheimen Wunsch haben, sich aber nicht trauen mal Gummibrüste anzuziehen“, sagt sie und klopft sich auf die Brust-Attrappen unter dem hautengen Minikleid.

Beim Tranny-Treff Rhein-Main, der einmal im Monat in Frankfurt stattfindet, treffen sich vornehmlich diejenigen, die „schon selbstbewusster mit ihrer weiblichen Seite umgehen“, sagt Sandra. Sie organisiert die Treffen und ist die Frontfrau der bunten Truppe.

Transvestiten, auch Transen oder Trannys genannt sind Männer die sich gerne Frauenkleider anziehen. Es ist ihnen ein Bedürfnis, ihre weibliche Seite auszuleben. Ein Irrtum ist es, dass Transvestiten automatisch homosexuell sind. Das Spektrum ist genauso breit wie in der restlichen Gesellschaft.

Ein Stammtisch für Gleichgesinnte und Neulinge

Sie selbst ist erst seit zwei Jahren dabei und traut sich in Frauenkleidern auf die Straße. „Umso wichtiger ist es, dass Gleichgesinnte sich trauen, unseren Stammtisch zu besuchen“, sagt Sandra. Dort würden sich die Transen über typische Frauenthemen, wie etwa Schminktechniken austauschen. „Bei uns ist es ja nicht mit einem normalen Make-Up getan. Der Bartschatten muss ja erstmal weg. Und auch unsere schmalen Lippen müssen ja erstmal in Form gebracht werden“, sagt Sandra, während sie ihren roten Kussmund spitzt. Zudem biete der Tranny-Treff die Möglichkeit Gleichgesinnte im Realen zu treffen, statt nur im Internet, wie sonst. Aber auch Einkaufs-Tipps, wie die Frage, wo man bezahlbare Pumps in Größe 46 bekommt, würden dort geklärt, sowie gemeinsame Aktivitäten geplant.

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Sandra stellt aber klar: „Bei uns muss nicht jeder in Frauenkleidern auflaufen, wir sind da sehr tolerant.“ Außerdem sei so die Hemmschwelle für Neulinge in der Szene nicht so groß. „Manchmal kommen auch welche, die sich nur informieren wollen und die bei uns Mut zugesprochen bekommen, sich auch in der Öffentlichkeit als Frau zu zeigen.“

Gemeinsames Geheimnis der Trannys

Denn einfach, eine Transe zu sein, ist es nicht, weiß Sandra. Ihre Familie sei zwar eingeweiht und toleriere ihre Neigung. „Sonst weiß es keiner aus dem Bekanntenkreis. Aber nicht jeder hat so ein Glück, wie ich. Manche müssen das alles im Geheimen machen und halten ihre Kleider in einer Kiste im Keller versteckt“, weiß sie aus ihrem Transen-Freundeskreis. „Dabei sind wir doch die besten Männer, die sich Frauen nur wünschen können. Wir sind der Ehepartner und die Freundin in einem. Mit welchem Mann kann sich eine Frau sonst über Schminke und Mode so gut unterhalten?“

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