Bei uns wirds Heu knapp:  Jetzt liefert Osteuropa

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Armin Probst importiert Heu für seine Pferde.

Münster – Der Altheimer Armin Probst hat aus dem Mangel ein Geschäftsmodell kreiert und transportiert tschechisches Heu ins Rhein-Main-Gebiet.  Von Jens Dörr

Dreifacher Preis, doch auf anderes Futter ausweichen unmöglich: In vielen Gegenden Deutschlands wird das Heu knapp und teuer, was auch Pferdebetriebe in der Region zu spüren bekommen. Der Altheimer Armin Probst, der auf einem Hof in Messenhausen selbst Pferde versorgt, hat die dramatische Situation erkannt und daraus ein Geschäft kreiert: Er transportiert Heu aus Osteuropa in die Bundesrepublik – und kann damit locker mit dem Preis des Bauern um die Ecke mithalten.

„Und das, obwohl mein Heu 700 Kilometer von der Ernte bis auf den deutschen Hof zurücklegt, während mancher hierzulande sein Heu nur zu einem ein Kilometer entfernten Ziel bringt“, sagt Probst stolz. Der Pferdefachmann hat die Not erkannt und will sie mit einer Geschäftspartnerin selbst etwas lindern. Damit haben beide in diesem Jahr begonnen – nicht ohne Grund: 2011 ist die Heuernte wegen des trockenen Frühjahrs extrem schlecht ausgefallen. „Der erste Schnitt war katastrophal“, sagt Probst. Es gab Einbußen von 70 Prozent, weil die Halme gegenüber normalen Jahren extrem kurz gewachsen waren. In den Niederlanden und Belgien fiel die Ernte sogar noch schlechter aus. Der zweite Schnitt werde wohl etwas besser ausfallen, und in diesen Tagen gebe es noch ausreichend Ballen zu kaufen. Doch das werde sich in wenigen Wochen wieder ändern.

Probst erläutert das Problem am Beispiel eines Gestüts aus Hörstein: „Das Gestüt braucht für die 70 Pferde rund 1400 Ballen Heu pro Jahr. Der Preis pro Ballen ist mittlerweile von 24 auf 70 Euro gestiegen.“ Teilweise habe sich der Betrag mehr als verdreifacht, einige wenige Bauern nutzten die hohe Nachfrage bei geringem Angebot aus, indem sie bis zu 150 Euro pro Ballen kassierten.

Probst fuhr nach Tschechien

In solchen Lkw kommt das Heu aus Tschechien.

Der 47-Jährige hat sich vorgenommen, „wenigstens die Ware zu beschaffen und den geringsten aktuellen Preis zu halten“. Das sind um die 70 Euro proBallen, der aus 250 bis 300 Kilogramm Heu besteht. Vor einigen Monaten setzte sich Probst ins Flugzeug gen Tschechien, fuhr dort mit einem Mietwagen drei Tage lang von Hof zu Hof. „Mir war bekannt, dass dort die Ernte besser ausgefallen war“, sagt der Altheimer. Er prüfte vor Ort die Qualität des Futters, auf das Pferde nicht verzichten können: „Ihr ganzer Verdauungstrakt ist darauf angelegt“, sagt Probst. Ein Pferd könne sogar ausschließlich vom Heu leben, auch wenn manchmal Kraftfutter und andere Nahrung ergänzt würden. Aus Tschechien ließen sie in Zusammenarbeit mit einer Spedition zig Lkw mit Heuballen – 36 bis 44 pro 13-Meter-Zug – nach Deutschland fahren, sehr viele davon ins Rhein-Main-Gebiet. Hier durch Telefon-Akquise Abnehmer zu finden, war das geringste Problem.

Der hohe Heupreis hat auch Folgen für die Einsteller, die erhöhte Gebühren für untergebrachte Pferde zahlen müssen. „Es ist ein signifikantes Problem, denn in der Pferdewirtschaft wird nicht das große Geld verdient“, betont Probst.

Die Perspektive ist nicht rosig. Die Trockenheit wird in Deutschland weiter zunehmen, außerdem gehen die Anbauflächen für Heu zurück. Aufgrund staatlicher Biogasförderung sei Maisanbau für viele inzwischen attraktiver, so Armin Probst. Für das Geschäftsmodell des Altheimers ist das indes gewiss nicht hinderlich.

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