Emotional Gestörte sind schwer zu integrieren

Inklusion: Behinderte Kinder sind nicht das Problem

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Auch, wenn ein lernbehindertes Kind langsamer rechnet, als der Rest der Klasse: Das Problem sind die, die durch ihre emotionale Störung Mitschüler vom Lernen abhalten.

Region Rhein-Main – Die Inklusion läuft schleppend an. Zu wenig Kinder mit Förderschulbedarf werden in die normale Regelschule integriert, weil dort die Lehrer kapitulieren. Das Problem sind aber nicht die Lernbehinderten, sondern die emotional Gestörten. Von Christian Reinartz 

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Die sogenannte Inklusion ist zur Zeit ein ganz heißes Thema, wenn es ums Bildungssystem  geht. Eigentlich hat nämlich jedes Kind das Recht darauf, in einer Regelschule unterzukommen – auch Behinderte. Doch das ist in Hessen zur Zeit eher selten der Fall. Denn diese Konstellation bringt jede Menge Probleme mit sich: Eltern, die sofort auf die Barrikaden gehen, wenn ein behindertes Kind in die Klasse kommt, als auch Lehrer, die nach wenigen Monaten das Handtuch schmeißen oder sich gleich ganz der Inklusion verweigern. Zu stressig sei es, solche Kinder zu unterrichten, heißt es immer wieder. Unter anderem, weil viele Eltern sich permanent einmischen und ein Auge darauf haben, ob der Lehrer sich um alle Kinder gleich viel kümmert. „Wenn dann mal einer mehr Zeit des Lehrers in Anspruch nimmt, gibt’s gleich Druck seitens der Eltern“, erklärt ein langjähriger Pädagoge aus Dieburg.

Alle Schulen sollten Gesamtschulen werden

Kommentar von Christian Reinartz:
Eiskalte Täuschung

Doch warum sind es gerade diese Kinder, die die Inklusion so schwierig machen? „Sie erhalten, bis auf wenige Ausnahmen, keinerlei pädagogische Förderstunden“, sagt Ulrich Lang, vom Netzwerk Inklusion  Frankfurt. Das belaste natürlich die Regelschulen sehr. Das meiste Geld fließt stattdessen weiterhin in die teuren Förderschulen. „Dabei wäre es viel sinnvoller, die in den Förderschulen arbeitenden Pädagogen einfach nach Bedarf auf alle Regelschulen zu verteilen“, sagt Lang. Er ist sich bewusst, dass dies quasi eine Abschaffung des bisherigen Förderschulsystems wäre. „Aber nur durch so einen radikalen Schnitt, kann man die Inklusion effektiv und gut umsetzen.“ Aber Ulrich Lang geht noch weiter: „Eigentlich müsste man das gesamte Schulsystem reformieren und alle Schulen zu Gesamtschulen machen, in denen auch Behinderte ihren Platz haben.“ Er ist sicher, dass dann auch die Eltern, die sich jetzt gegen Inklusionskinder in den Klassen auflehnen, merken würden, dass die Inklusion ein Zugewinn ist und nicht ihre Kinder ausbremst, sondern diese sogar zusätzliche individuelle Förderung erhalten könnten. Denn in einem solchen System würde jedes Kind seinen ganz persönlichen Bedarf an Pädagogik und Lehre erhalten, sagt Lang. „Aber statt mutig zu sein, halten die Politiker lieber an dem bisherigen System fest, obwohl sie dabei gegen die UN-Menschenrechtskonvention verstoßen.“

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