Dreiste Fahrer der Öffentlichen Verkehrsmittel

Opfer der Öffentlichen

+
Francois Ben Hadj hatte sich beschwert, dass er immer wieder stehen gelassen würde. Mittlerweile haben sich zahlreiche weitere Opfer gemeldet, die ähnliches erlebt haben.

Region Rhein-Main – Nach dem Artikel „Behinderten absichtlich stehengelassen“ vom vergangenen Wochenende, melden sich immer mehr Betroffene und berichten, wie sie stehengelassen, oder gar eingeklemmt wurden. Von Christian Reinartz  

Von wegen Einzelfall – immer mehr Behinderte oder Augenzeugen melden sich beim EXTRA TIPP und berichten, wie dreist einige Fahrer der Öffentlichen Verkehrsmittel in Frankfurt die Fahrgäste behandeln. Rosemarie Schmittner etwa schildert eine Szene von der Haltestelle Bornheim Mitte. „Ich stand dort vor einiger Zeit und habe beobachtet, wie eine Rollstuhlfahrerin vergeblich versuchte in den Bus zu kommen.“ Irgendwann sei ein Fahrgast aufgestanden und habe den Busfahrer gebeten, doch die Rampe herauszuholen, damit die Behinderte in den Bus rollen könne. „Der ist aber einfach sitzen geblieben und hat gesagt, dass das nicht seine Aufgabe wäre. Dann ist er einfach weitergefahren und hat die behinderte Frau stehen gelassen.“

Schmittner meldet den Vorfall sogleich der VGF, bekommt aber dieselbe Antwort, die schon Ben Hadj bekommen hat. „Die haben einfach behauptet, dass ihre Fahrer gar nicht wüssten, wovon die Rede ist. Damit war das Thema für die abgehakt.“ Auch was Regina Zitko schildert, zeigt, wie schnell Behinderte un Rentner im öffentlichen Nahverkehr  in Frankfurt auf der Strecke bleiben. „Ich bin schon mindestens 20 Mal stehengelassen worden“, sagt die Behinderte. Sie kann sich nur mit Hilfe eines Rollators fortbewegen. „Aber die machen mir einfach die Tür vor der Nase zu, weil ich nicht so schnell bin.“ Sowohl bei Bus- und U-Bahn-Fahrten sei ihr das passiert. Ein besonders krasser Zwischenfall ist Zitko in der U4 Richtung Bornheim an der Haltestelle Schefflestraße widerfahren. „Da hat ein Fahrer einfach die Tür geschlossen während ich am Einsteigen war.“ Die Wucht der sich schließenden Türen hätten ihren Rollator eingeklemmt. Dieser sei dann durch den Druck auf den Bahnsteig geschleudert worden.

Fahrer bricht mit Tür Frau den Fuß

Eine andere Frau ist so verschüchtert, dass sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Mir wurde schon mal der Fuß gebrochen, als ein Fahrer völlig rücksichtslos die Türen geschlossen hat.“ Sie habe sich bei der zuständigen Verkehrsgesellschaft deswegen beschwert. „Doch dann haben die mir einfach gesagt, dass man mir nicht glauben würde, weil die Fahrer das bestreiten würden“, berichtet sie immer noch völlig fassungslos.

Ein Behinderter im Rollstuhl beweist dagegen Galgenhumor. „Wenn der Fahrer mal wieder die Rampe nicht rausmachen will, polter ich eben so lange gegen die Scheibe, bis er rauskommt. Das hält länger auf, als die Rampe raus zu machen.“ Auch auf Facebook haben sich zahlreiche Opfer beim EXTRA TIPP gemeldet und ihre Erlebnisse geschildert. So schreibt etwa Kristin Zygmanowski: „Auch Frauen/Männer mit Kinderwagen werden immer wieder stehen gelassen bzw. fährt der Bus schon los, bevor man überhaupt richtig eingestiegen ist!“

Oder Reiner Weber: „Ich kann das auch nur bestätigen. Erlebe dies auf der Linie 18 und dem 30er-Bus recht häufig. Ich bin gehbehindert und kann mich nur mit Krücken langsam fortbewegen. An der Haltestelle Friedberger Platz muss man zwei Fahrspuren passieren, um zur Linie 18 zu kommen. Ich schaffe es fast nie rechtzeitig und die Bahn fährt einfach weg oder ich werde durch die sich schließende Türe fast eingeklemmt.“ Aber es gibt auch andere Erfahrungen. Eine 79-Jährige Frankfurterin bescheinigt den Frankfurter Fahrern von Bus- und Straßenbahn Hilfsbereitschaft. „Mein Mann sitzt im Rollstuhl und wir haben bisher nie schlechte Erfahrungen gemacht.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare