Geschäftsleute in der Offenbacher Landstraße haben kaum noch Kunden

Straßensperrung in Oberrad sorgt für Ärger

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Patric Barth, Junior-Chef des Gasthofs Zum Hirsch, hat seit Baustellenbeginn deutlich weniger Gäste. 

Frankfurt - Vor drei Wochen hat die Umgestaltung der Offenbacher Landstraße begonnen. Die Geschäftsleute im Stadtteil Oberrad haben schon jetzt genug. Ihnen bleiben die Kunden weg, weil Schilder die Durchfahrt verbieten. Von Kristina Bräutigam

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Seit mehr als 300 Jahren gibt es den Gasthof „Zum Hirsch“ in Oberrad. Das Traditionslokal ist das älteste im Stadtteil. Doch seit rund drei Wochen bleiben die Tische oft leer. Schuld ist der Umbau der Offenbacher Landstraße. Seit dem 24. April ist die Verbindung zwischen Offenbach und Sachsenhausen vom Buchrainplatz bis zur Scheerengasse für den Durchgangsverkehr gesperrt. Baustellen- und Lieferverkehr und Anlieger dürfen die Straße befahren. Und auch Kunden, sofern sie denn einen Parkplatz in einer der nicht gesperrten Nebenstraßen finden. 

Doch diese Info werde von der Stadt nicht kommuniziert, beschweren sich die Geschäftsleute. „Schon an der Offenbacher Stadtgrenze stehen Schilder, die die Sperrung der Straße anzeigen. Seitdem fährt kaum noch einer die Geschäfte an“, sagt Ingrid Barth, Inhaberin des Gasthofs zum Hirsch und Mitglied des Oberräder Gewerbevereins. Nachdem auch noch mehrere Zeitungen von der kompletten Sperrung berichtet hatten, seien die Umsätze drastisch zurückgegangen. „Gerade ältere Gäste rufen an und sagen Tischreservierungen ab, weil man ja angeblich nicht mehr zu uns kommt“, berichtet Barth.

Geschäftsleute beklagen Umsatzrückgang

Den Geschäftsleuten in der Nachbarschaft geht es nicht besser. Kurt Laudenbach, Pächter der Bäckerei Eifler-Filiale, beklagt 15 Prozent Umsatzrückgang. „Die Bauarbeiter, die nach Sachsenhausen fahren, und die Kunden, die hier morgens ihre Brötchen geholt haben, bleiben weg. In einem halben Jahr sind die ganzen kleinen Geschäfte hier pleite. Es ist schlimm“, sagt Laudenbach. Auch im Schuhhaus Mayer sind die Sorgen groß. „Seit der Baustelle ist es besonders am Nachmittag sehr ruhig. Es fahren ja auch keine öffentlichen Verkehrsmittel“, sagt Mitarbeiterin Anja Preis. Dass die Geschäfte angefahren werden können und es in den Nebenstraßen mit etwas Glück Parkplätze gibt, wissen Auswärtige eben nicht. Auch Jürgen Liller vom Frankfurter Bierhaus ist stinksauer. „Die Stadt Frankfurt interessiert sich offenbar nicht für die Gewerbetreibenden.“

Durchfahrt verboten: Dass Anlieger, und damit auch Kunden, die Straße befahren dürfen, ist nicht ersichtlich. Die Stadt will „dem Durchgangsverkehr nicht Tür und Tor öffnen.

Alles Quatsch, sagt Rainer Michaelis vom Straßenverkehrsamt der Stadt Frankfurt. „Wir haben bewusst darauf verzichtet, auf den Umleitungstafeln auf eine Zufahrtsmöglichkeit für Anlieger hinzuweisen. Das würde dazu führen, dass ortsfremde Verkehrsteilnehmer den Bereich trotzdem befahren würden und am Ende auch Wohngebiete als Schleichwege nutzen.“ Michaelis erinnert daran, dass die Sanierung lange gefordert und außerdem ein Info-Telefon nur für die Anwohner eingerichtet wurde. „Aber eine Baustelle ohne Einschränkungen, die gibt es eben nicht.“

Offiziell sollen die Bauarbeiten bis Februar 2018 abgeschlossen sein. Doch daran glauben die Geschäftsleute in der Offenbacher Landstraße nicht. „Schon der Umbau des Buchrainplatzes hat am Ende drei Jahre gedauert, obwohl ein Jahr veranschlagt war“, sagt Anja Preis. Dass die Baufirma Bratengeier – wie beim Buchrain-Desaster – ausführende Firma beim Umbau ist, sei auch kein gutes Omen.

Über eine andere Zumutung beklagen sich die Frankfurter: Die Urinale am Hauptbahnhof sind für viele ein stinkendes Ärgernis.

Fotos: Bauarbeiten in Oberrad haben begonnen

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