Ralf Scheffler rockt seit 40 Jahren die Szene

Batschkapp-Chef: „Früher war gar nichts besser!“

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Der Batschkapp-Geschäftsführer Ralf Scheffler leitet seit 40 Jahren einen der beliebtesten Musik-Schuppen Frankfurts. Hier hat er gerade beim Soundcheck für ein Konzert reingeschaut.
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Seit vier Jahrzehnten führt er den Rock-Schuppen Frankfurts, die Batschkapp. 1976 noch langhaarig und links, ist Ralf Scheffler heute mehr der ausgefuchste Geschäftsmann. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht: Der 68-Jährige will weiter die Masse locken. Von Janine Drusche

Was ist das Erste, an das Sie sich erinnern, wenn Sie an die Batschkapp 1976 denken?

Da fällt mir als erstes das Vorstadt-Disko-Outfit von damals ein. Weißer Rauputz, Separees und Wagenräder an der Wand über der Alutanzfläche. Da hat sich Frankfurts Sponti-Szene getroffen: Die Revoluzzer und die langhaarische Bombelescher, die jedes Wochenende demonstrieren waren. Aber dann war Ende der Fahnenstange, wir wollten ein Jugendkulturzentrum auf die Beine stellen.

Wie haben Sie damit angefangen?

Erst hatten wir keinen Namen – wir haben uns Chaotikum genannt. Es gab noch keine Konzession. Es hat sich seitdem viel verändert, wir hatten Idealismus und Enthusiasmus. Es gab keinen Chef. Wir waren ein Kollektiv. Für uns war das eine langwierige Entscheidung, kommerzieller zu werden. Es waren eben miese Geschäfte. Da stand die Frage im Raum, wie es weiter geht: Machen wir den Laden professionell und stabilisieren ihn ökonomisch oder wir machen ihn dicht.

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Was hat sich seitdem geändert?

Es hat sich alles geändert: Im Kollektiv etwas Wirtschaftliches zu erhalten, funktioniert nicht. Es lief gut, aber es blieb kein Geld übrig. Die Pflicht hat uns nicht gejuckt. Unser Laden war ein rechtsfreier Raum – in jeder Hinsicht. Aber das konnte nicht dauerhaft funktionieren. Die Interessen gingen in verschiedene Richtungen. Ich habe mich – ungern – von meinen idealistischen Vorstellungen getrennt.

Was war der nächste Schritt?

Der verbindliche Rahmen musste her: Eine Firma mit Buchhaltung und Verantwortung, sonst wären wir rausgeflogen. Ich habe das dann in die Hand genommen. Zuerst wurde die anfallende Arbeit aufgeteilt, es gab keine formalen Posten. Dann aber gab es Veränderungen. So wurde ich eher zufällig Geschäftsführer. Veränderung gehört mittlerweile zum Leitbild.

Was macht die Batschkapp dabei so besonders?

Sie besetzt einen Platz, den sonst keiner macht. Wir haben in Frankfurt sonst fast nur Hochglanzdiskos oder ganz kleine Clubs, die sich in einem bestimmten Modell bewegen. Die Batschkapp hat da in eine Marktlücke getroffen, es gibt keine hohen Ansprüche an das Publikum: Die Gäste müssen sich nicht rausputzen. Wir ziehen Leute aus allen Richtungen, zum Beispiel bei der Neunziger-Party kommen 1000 Leute aus allen Bereichen.

Gab es etwas, dass früher besser im Club war als heute?

Nichts. Es war vieles schlechter: Im alten Gebäude war es eng, stickig, versifft, die sanitären Anlagen waren rudimentär. Es gab zu wenig Platz für die Konzerte, auch für den Aufbau. Sicherlich gibt es viele, die das gut fanden, aber ich denke der allgemeine Geschmack hat sich geändert im Gegensatz zu damals. Das hat in eine bestimmte Zeit gepasst, nicht zu heute. Mit dem alten Konzept wäre es keine zehn Jahre mehr gut gegangen. Jetzt kommt ein anderes Publikum dazu, wir bedienen eine breitere Masse und das ist auch gut so.

Sie vermissen also die alte Batschkapp nicht?

Nein, ich bin glücklich mit der Veränderung. Mir fehlt absolut nichts. Erst dachte ich, ich könnte wehmütig werden, aber als ich hier im Büro der Gwinnerstraße saß, wollte ich plötzlich gar nicht mehr dahin. Ich habe der alten Batschkapp keine Träne nachgeweint, auch wenn ich zwischendurch einen Schreck bekommen habe und es mir eiskalt den Rücken runterlief. Aber das war schnell vorbei.

Das Beste an der neuen Kapp?

Es gibt genug Platz: Wir haben einen Cateringraum und Stauraum für Material. Die Bands können ordentlich ankommen und aufbauen. Das haben wir lange vermisst. Der Spirit, kein Hochglanzprojekt zu sein, ist aber geblieben: Bodenständig und am Puls der Zeit. Deshalb bin ich jeden Tag hier und das wird sich so schnell nicht ändern. Hier verschwimmen Arbeit und Freizeit. Die Rente liegt mir fern, es geht mir ja nichts auf den Wecker. Mir gefällt das ja. Und deshalb feiern wir im Herbst 40. Geburtstag mit Party und einem Buch über die Zeit.

Die Batschkapp in drei Worten?

Deutschlands dienstältester Musikclub.

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Janine Drusche

Janine Drusche

E-Mail:janine.drusche@extratipp.com

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