Dieburgerin arbeitet ehrenamtlich

Barbara Meyer macht Fotos von Sternenkindern

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Sternenkindern sind nur wenige Stunden vergönnt. Kai Gebel, Gründer von „Dein-Sternenkind“, hat den kleinen Liam während seines kurzen Lebens fotografiert.

Die Dieburgerin Barbara Mayer lichtet für das Internetportal „Dein-Sternenkind“ Babys ab, die nur wenige Stunden leben. Von Jens Dörr

Region Rhein-Main – „Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Kind zu verlieren“, sagt Barbara Mayer. Wenn die 41-jährige Fotografin aus Dieburg über derlei Schicksalsschläge spricht, denkt sie dabei insbesondere an eine Gruppe von Eltern: Jene, denen oft nicht mehr als zwei, drei Stunden mit ihrem Neugeborenen bleiben.

Sternenkinder nennt man jene Babys, die mit einem Gewicht von nur wenigen hundert Gramm auf die Welt kommen – und noch am Geburtstag wieder von ihr scheiden. Mayer hält diese kurze Zeit des Zusammenseins von Vater, Mutter und Kind mit der Kamera fest. Wie 250 weitere Fotografen engagiert sie sich ehrenamtlich für „Dein-Sternenkind“

"Die wichtigsten Fotos, die es gibt"

„Es sind die wichtigsten Fotos, die es gibt“, ist Mayer überzeugt: „Wenn du nur zwei, drei Stunden mit deinem Baby hast, ehe du es wieder hergeben musst, gilt es, diese Zeit fotografisch professionell zu nutzen.“ Die Südhessin versteht dies zu tun, verdient ihr Geld als Freiberuflerin mit der Kamera. Fotos von Neugeborenen und Kindern, aber auch von den prallen Babybäuchen der Mütter zählen zu ihren Steckenpferden. Ist sie für „Dein-Sternenkind“ unterwegs, nimmt sie für ihre Arbeit keinen Cent: „Das lässt mein Gewissen nicht zu.“

Mehr Infos unter www.barbaramayer.de, www.tapfere-knirpse.de und www.dein-sternenkind.eu.

In der Regel seien es Hebammen oder die Eltern selbst, die Sternenkinder in ihrem viel zu kurzen Leben fotografierten, weiß Mayer. Dank „Dein-Sternenkind“ gebe es seit einigen Monaten aber eine Möglichkeit, die emotionale Phase intensiv zu erleben, ohne sich Gedanken um die Bilder machen zu müssen. „Die Eltern werden über Presseveröffentlichungen, Mundpropaganda oder Facebook auf uns aufmerksam, fragen über unsere Website an.

Dezent und würdevolles Arbeiten

Unsere Fotografen sind nach Postleitzahlen sortiert. Jener, der am nächsten am Geburtsort wohnt, wird dann mit der Aufgabe betraut“, erzählt die Dieburgerin. Extrem wichtig: Man arbeite „dezent und würdevoll“. Auch bei Sternenkinder laute ihr persönliches Ziel, „den Zauber des Menschen mit der Kamera einzufangen“. Bezaubernde Wirkung hätten die Fotos nach dem Tod des Kindes für Eltern und Angehörige, ist sie sich unterdessen sicher. Die dergestalt festgehaltenen Erinnerungen trügen zur Bewältigung der Trauer bei.

Die Dieburgerin Barbara Mayer fotografiert gesunde Babys (Foto), aber auch behinderte, schwerkranke – und Sternenkinder.

Überhaupt, schöne Erinnerungen schenken: Das ist das Ansinnen auch des zweiten ehrenamtlich arbeitenden Netzwerks, dem sich Barbara Mayer, selbst Mutter einer gesunden Tochter, angeschlossen hat. Bei den „Tapferen Knirpsen – Herzensbilder“ stehen schwerkranke oder behinderte Kinder mit ihren Familien im Fokus. „Mittel, Zeit und Gedanken für Fotos fehlen in diesen Fällen oft.“ Hier springe der seit einem Jahr bestehende Zusammenschluss von Fotografen – auch hier sind es rund 250, oft identisch mit denen von „Dein-Sternenkind“ – in die Bresche.

Projekt Tapfere Knirpse

Eltern geben dazu Informationen, etwa die Diagnose und den Grad der Behinderung, an die Organisation weiter, die wie „Dein-Sternenkind“ weitere Mitstreiter und Förderer sucht. Die Fotografen der „Tapferen Knirpse“ konzentrieren sich allein ob der Fülle der Anfragen auf die schwerwiegendsten Schicksale. 407 Shootings absolvierten die Künstler mit der Kamera in den vergangenen zwölf Monaten unentgeltlich – und schenkten damit 407-mal unvergessliche Aufnahmen und große Freude.

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