Bald kein Feierabendbier mehr in der S-Bahn?

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Prost! In einer Münchner S-Bahn feierten am vergangenen Samstag Fahrgäste noch einmal mit Bier. Seit Sonntag herrscht dort striktes Alkoholverbot.

Region Rhein-Main – In Münchner S-Bahnen gilt seit vergangener Woche ein Alkoholverbot, in Hamburg seit dem 1. September. Ob und wann der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) nachzieht, ist derzeit offen. Von Norman Körtge

Wir beobachten, was in Hamburg passiert“, sagt RMV-Sprecherin Petra Eckweiler zum Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr. Konkreteres gibt es von Seiten des Verkehrsverbundes derzeit nicht zu hören. Sehr wohl dafür vom unter Beobachtung stehenden Hamburger Verkehrsverbund. Dessen Sprecherin Gisela Becker spricht von einer großen Zustimmung unter den Fahrgästen, auch belegt durch eine repräsentative Befragung einer Hamburger Tageszeitung, die Werte von weit über 80 Prozent erbrachte. Auch die meisten Ertappten seien einsichtig und es gebe keine langen Diskussionen, berichtet Becker.

Nachdem im September noch eine Übergangsfrist herrschte, in der lediglich Ermahnungen ausgesprochen wurden, kostet es seit Oktober mittlerweile 40 Euro Strafe, wenn man mit Alkohol am Bahnsteig oder in der S-Bahn erwischt wird. 220 Mal ist diese Strafe alleine im Oktober verhängt worden. Für den Zeitraum danach liegen laut Becker noch keine Zahlen vor.

Dass das Thema durchaus kontrovers diskutiert wird, berichtet Wilfried Staub vom Frankfurter Regionalverband des Fahrgastverbandes Pro Bahn Hessen: „Wie in allen Vereinen haben die Mitglieder unterschiedliche Meinungen. Beim Thema Alkoholverbot halten sich Pro und Contra in etwa die Waage.“ So gebe es viele Berufspendler, die sich gerne auf dem Nachhauseweg ein Feierabendbier in der S-Bahn gönnen, erzählt Staub. Auch werde argumentiert, warum zum Beispiel in einem ICE-Bordrestaurant Wein ausgeschenkt wird, aber ein Bier in einer S-Bahn verboten ist. Auf der Seite der Verbots-Befürworter werde mehr Sicherheit und Sauberkeit angeführt. Vor Augen haben sie durch den Zug rollende leere Bierflaschen- und -dosen sowie das manchmal aggressive Verhalten von Menschen, die sich regelrecht in der Öffentlichkeit besaufen.

Wilfried Staub glaubt, dass es mit einem möglichen Alkoholverbot genauso sein wird, wie seinerzeit mit dem Rauchverbot. Am Anfang konnte es sich keiner vorstellen, heute ist es das Normalste auf der Welt.

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