„Nahrungsmittel einfach wegschmeißen ist gruselig“

Back-Blogger Patrick Rosenthal über Rezept-Ideen, Einkaufen und Marrakesch

Kreativer Chaot in der Küche, der bodenständige Back-Kreationen mag: Blogger Patrick Rosenthal aus Frankfurt. Fotos: nh

Im EXTRA TIPP stellt Back-Blogger Patrick Rosenthal jede Woche eine neue leckere Back-Kreation vor. Nun hat er sein erstes Rezeptbuch veröffentlicht. Der Frankfurter verrät, was sein neuestes Projekt sein wird, ob es bei ihm in der Küche ordentlich zugeht und was ihn inspiriert. Von Dirk Beutel

Wie sind Sie überhaupt zum Backen gekommen?

Ich arbeite seit vielen Jahren für einen Hersteller von Kochgeschirr und Messern. Hier entwickele ich neben der Betreuung der Retail Shops in Europa auch Workshops und Koch-Events.
Kochen und backen ist Leidenschaft, da lag es sehr nahe privat etwas Ähnliches zu machen. Zumal ich auch selbst viele Food-Blogs lese. Ich sage immer: Wer essen will, muss auch kochen und backen können. Der Blog war aber anfangs sicher auch ein Stück Therapie für mich, da ich beide Elternteile vergangenes Jahr verloren habe. Mit dem Bloggen habe ich genau eine Woche später begonnen, was mich sehr abgelenkt hat. Jedes Like auf meiner Facebook-Seite und jeder Follower mehr ist ein Schulterklopfen von außen.

Was inspiriert Sie?

Ich durfte in meinem Leben schon oft sehr weit reisen. Unter anderem war ich auch Hoteltester für Luxushotels. Und auf diesen Reisen habe ich unheimlich viele Ideen und Tipps gesammelt. Unter anderem in Marrakesch. Eine Stadt, in die ich mich wirklich verliebt habe.
Dort habe ich mich mit Einheimischen bekannt gemacht, war auf den Märkten einkaufen und habe auch schon bei Familien gekocht und gebacken. Diese Stadt ist ein großer Einfluss auf mich. Außerdem lese ich sehr viel Back-Zeitschriften aus Amerika und versuche diese Rezepte so weit es geht, herunter zu schrauben, dass man nicht in die Apotheke gehen muss, um die Zutaten zu kaufen. Und die Russen sollte man auch nicht vergessen. Viele betreiben dort außergewöhnlich schöne Food-Blogs, die mich inspirieren.

Hauptsache es schmeckt und ist einfach.

Und relativ schnell muss es auch gehen. Es kann ja nicht sein, dass man stundenlang am Backofen steht. Naja und gut aussehen muss es am Ende auch noch, wenn man wie ich das Ergebnis dann auch fotografieren und auf seinem Blog veröffentlichen möchte.

Gibt es etwas, das Sie überhaupt nicht mögen?

Einkaufen! Das ist das Schlimmste! Eine echte Hölle für mich. Ich hasse es wirklich sehr. Dazu gehört natürlich auch die Küche sauber zu machen. Ich bin ein totaler Chaot. Während andere Leute wenn sie gerade beim Zubereiten sind, schon ihre Sachen in den Geschirrspüler stellen, kann ich nur im Chaos arbeiten.

Sie legen aber nicht nur auf Ihre Back-Kreationen Wert, sondern auch, dass sie gut fotografiert werden.

Ich habe vor einem Jahr noch mit meinem Smartphone fotografiert und wollte einfach mehr. Zumal ich schon damals ein Angebot für ein Buch bekommen habe. Also habe ich meine Foto-Technik aufgerüstet, im Internet recherchiert und andere Blogger genervt wie man am besten fotografiert. Vor allem wenn man spät abends nach Hause kommt und kein richtiges Licht mehr da ist. Mittlerweile liebe ich das Fotografieren sogar mehr als das Essen. Denn mit keinem anderen Hobby, das man so machen kann, hat man ein schnelles Ergebnis, das man anfassen, riechen und essen kann. Das man aber gleichzeitig auch abfotografieren kann. Und wenn jemand zu dir sagt: Wau! Was für ein schönes Foto, ist das doch die schönste Belohnung, die es gibt.

Wie groß ist denn Ihre Lust auf verrückte Geschmacksexperimente?

Kann ich nichts mit anfangen. Ich bin in vielen Dingen sehr bodenständig. Da lasse ich mich auch nicht auf irgendwelche seltsamen Geschmacksexperimente ein. Ich mag traditionelle Rezepte, die ich dann etwas nach meinem Geschmack abwandele. Ich sage immer: Nehmt euch nicht zu wichtig. Wir retten keine Leben, wir backen nur. Viel spannender ist es, einfach mal seine Vorräte aufzubrauchen, statt Nahrungsmittel weg zu schmeißen. Das ist gruselig. So lange man Eier, Mehl und Butter im Haus hat, findet man immer etwas.

In Ihrem aktuellen Buch „Ich mach´s mir einfach“ finden sich 60 exklusive Rezepte, die man nicht in Ihrem Blog findet. Was wird Ihr nächstes Projekt?

Ebenfalls ein Buch. Nach dem ersten Buch ist vor dem zweiten Buch. Ich habe ein Angebot von einem Verlag vorliegen und überlege noch ein gutes Thema zu finden. Gerade arbeite ich an einem Gruppenprojekt mit 15 anderen Bloggern, die noch kein Buch veröffentlich haben. Schließlich gibt es so viele begabte Blogger, bei denen ich vor Neid erblasse, dass es an der Zeit ist, etwas herauszubringen. Bis Weihnachten soll das Buch fertig sein. Ich möchte wieder reisen, mit anderen Bloggern und leidenschaftlichen Köchen. Eintauchen in andere Kulturen, Gewürze und Küchen.

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