Ärger um eine Wiese

Nach Grundstücksstreit zeigt sich Babenhausen selbst an

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Eine Wiese und viel Ärger: Frank Beck (mit rotem Polo-Hemd) und seine Nachbarn vermuten dass bei dem Verkauf dieses Grundstücks nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Babenhausen – Frank Beck streitet sich mit der Stadt Babenhausen um ein Wiesengrundstück. Seit 2011 versucht er das Wiesenareal  zu erwerben. Doch der Magistrat wandelte das Areal zu einem Wohnbaugrundstück um und bestimmte einen anderen Interessenten. Seither steht der Vorwurf der Vorteilsnahme im Raum. Von Dirk Beutel

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Handelt es sich um ein Missverständnis oder haben sich Mitarbeiter der Stadt Babenhausen tatsächlich nicht korrekt verhalten? Vorteilsnahme im Amt und interessengeleitetes Handeln – mit diesen Vorwürfen sieht sich die Stadt derzeit konfrontiert. Die Vorwürfe erhebt Frank Beck. Seit 2011 bewirbt sich der Babenhausener um eine an sein Haus angrenzende Wiese. Ein Grundstück bei dem er sich übergangen fühlt und andere offenbar bevorzugt wurden. Dabei sah alles schon so gut aus. Er und seine Frau wurden bereits vom Bauamt eingeladen, um Details zu klären. Wie etwa eine 20-jährige Sicherungsklausel, wonach Beck das Grundstück als unbebaubare Grünfläche erwerben sollte und bei einer späteren Bebauung der gültige städtische Preis für Bauland nachzuzahlen sei. Trotzdem: Beck sagte zu, er wollte das Grundstück auch als Wiese kaufen. „Wir hatten sogar schon einen Termin mit dem Notar“, sagt er.

Und dann kam der große Schock

Doch was als sicherer Grundstückskauf erschien, entwickelte sich zum Fiasko. Denn Beck hörte nichts mehr vom Bauamt. „Stattdessen haben wir erfahren, dass das Grundstück zu Bauland umgewandelt wurde.“ Das bestätigt auch Babenhausens Bürgermeisterin Gabriele Coutandin: „Das hat die Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen.“ Doch Beck moniert, dass das Baugrundstück nie öffentlich ausgeschrieben wurde. Beck: „Umso erstaunter war ich, als ich erfuhr, dass das Grundstück plötzlich verkauft sein sollte.“ Das Brisante: Den Zuschlag soll an ein Familienmitglied eines städtischen Mitarbeiters bekommen haben. Damit nicht genug: Das Grundstück wurde erweitert. „Ideal für eine Bebauung“, sagt Beck. Zumal ein Teil des Areals, immerhin 350 Quadratmeter, für einen Spottpreis von 15 Euro pro Quadratmeter bewertet wurde. Zum Vergleich: Im Neubaugebiet in den Lachewiesen kostet der Quadratmeter bis zu 250 Euro. Beck ist ratlos: „Warum wurden wir übergangen? Warum bekommt ein Familienmitglied eines städtischen Mitarbeiters des Zuschlag, obwohl wir uns seit Jahren bewerben. War hier Vorteilsnahme im Amt oder interessengeleitetes Handeln ausschlaggend?“

Babenhausen zeigt sich selbst an

Diese Vorwürfe weist der Magistrat zurück. Ebenso wie Becks Einwand, dass das Bauland nicht öffentlich ausgeschrieben wurde: „Es wurde in unserem Immobilienportal im Internet ausgewiesen“, sagt Coutandin. Mehr noch. „Wir haben den Fall der Staatsanwaltschaft übergeben. Diese Unterstellungen schaden dem Ansehen der Stadt und deren Gremien“, sagt Coutandin. Der Verkauf des Grundstücks wurde mittlerweile auf Eis gelegt. Coutandin: „Solange, bis die Vorwürfe aufgeklärt werden.“ Zurzeit arbeiten Mitarbeiter der Stadt daran Gesprächsnotizen, Beschlüsse, eidesstattliche Erklärungen und Vergaberichtlinien zusammenzutragen. Ohnehin versteht sie die Aufregung nicht. Laut einer chronischen Aufstellung, die dem EXTRA TIPP vorliegt, soll die Familie Beck bereits im Juli 2011 sein Ankaufinteresse zurückgestellt haben. Auch in Becks Nachbarschaft hat sich der Fall herumgesprochen und stößt auf Argwohn: „Vor 30 Jahren sah der Bebauungsplan noch vor, dass dies eine Grünfläche bleibt. Jetzt soll da ein Haus vor meiner Nase gebaut werden“, sagt Renate Stocker. „Eine Stadt muss doch ihr Wort halten“, sagt Nachbar Lothar Gruner.

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