Ausweichen vor der Schuldenfalle

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Bevor die Taschen leer sind, möchten Experten helfen.

Taunus – Immer mehr Menschen im Taunus können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Sie sind überschuldet. Damit die Schuldenfalle erst gar nicht zuschnappen kann, sollen nun mehr Berater geschult werden. Von Norman Körtge

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird auch im Taunus immer größer. Auf der einen Seite können laut einer Marktforschungsstudie der GfK die Bewohner des Hochtaunus- und Maintaunuskreises deutschlandweit mit am meisten für Essen und Kleidung ausgeben (der EXTRA TIPP berichtete), auf der anderen Seite steigt die Zahl der Taunus-Haushalte, die überschuldet sind. Laut der Auskunftsdatei Creditreform ist die Zahl der Erwachsenen im Main-Taunus-Kreis, die überschuldet sind, in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. 2009 betrog die Quote 6,42 Prozent, ein Jahr später 6,69 Prozent. Im Vergleich zu Frankfurt (10,58) und Offenbach (16,68) ein niedriger Wert.

Kluft zwischen arm und reich wird immer größer

Doch damit dieser nicht weiter ansteigt und die Schuldnerberatung in Anspruch genommen werden muss, wird vermehrt Wert auf die Schuldenprävention gelegt. „Viele rennen zum Ernährungsberater, um Pfunde los zu werden. Aber vielen fällt es schwer zu einem Finanzberater zu gehen, der dabei hilft, ein Defizit abzubauen“, berichtet Birgit Bürkin. Die Diplom-Haushaltswissenschaftlerin arbeitet für „Kompass Geld“, einem Netzwerk zur Schuldenprävention mit Beratungsstellen in Eschborn und Schwalbach. Aus Erfahrung weiß sie, dass es oft immer noch ein Tabuthema ist, über Geldprobleme zu reden. Allerdings sei es mit „Kompass Geld“ gelungen, ein niederschwelliges Angebot zu schaffen, das Bürger ungeachtet ihrer Herkunft nutzen, um sich in Geldfragen beraten zu lassen. Und das, bevor die Schuldenfalle bereits zugeschnappt ist.

Die Gründe, warum Menschen mit ihrem Geld auf dem ersten Blick nicht mehr auskommen sind vielfältig. „Zum einen hat es was mit den Kürzungen bei den Sozialleistungen und sinkenden Reallöhnen zu tun“, sagt Bürkin. Aber auch Scheidung, Arbeitslosigkeit oder Krankheit können finanzielle Einbrüche bedeuten. Und wer dann versuche seinen Lebensstandard zu halten, komme schnell in die Bredouille. „Zusammen mit meinen Klienten analysiere ich deren Situation und wir machen einen Kassensturz“, berichtet die Beraterin. Das sei „Unternehmensberatung für Privathaushalte“.

Schuldnerberatung muss angenommen werden

Um diese Beratung auszuweiten, bietet das Evangelische Dekanat Kronberg in Kooperation mit „Kompass Geld“, dem Hessen-Campus Main-Taunus und dem Sozialbüro Main-Taunus nun ein Praxisseminar mit dem Titel „Auskommen im Leben mit wenig Geld“ für Beratungskräfte und Ehrenamtliche an. „Wir wollen uns damit sozial-räumlicher weiter aufstellen“, sagt Manfred Oschkinat, Dekanats-Referent für Bildung und Gesellschaftliche Verantwortung. Im Mehrgenerationenhaus in Eschborn und in den entstehenden Familienzentren sei dieses Beratungsangebot wichtig. Dort sollen „Familien möglichst frühzeitig Hilfen an die Hand gegeben werden“, so Oschkinat. Weitere Infos dazu gibt er unter der Telefonnummer (06196) 5601-20.

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