Austrittswelle wegen Steuer

Von Norman Körtgebr /Offenbach - Immer mehr Christen drehen ihren Gemeinden den Rücken zu und treten aus der Kirche aus. Das Amtsgericht Offenbach registrierte für 2008 eine Austrittswelle.

Die muslimischen Gemeinden hingegen sind am wachsen.br /Der Anstieg ist deutlich: Das Amtsgericht Offenbach - zuständig für Offenbach, Neu-Isenburg, Dietzenbach, Heusenstamm, Obertshausen und Mühlheim - verzeichnet für das vergangene Jahr 1241 Kirchenaustritte. 2006 waren es 771 Menschen, 2007 traten 836 aus.br /"Das stimmt schon traurig", sagt Eva Reiß, Dekanin des evangelischen Dekanats Offenbach. Einen Grund für den drastischen Anstieg sieht sie in der Abgeltungssteuer. "Vielen scheint da erst bewusst geworden zu sein, dass sie auf Kapitalerträge schon immer auch Kirchensteuer gezahlt haben", meint die Dekanin und trifft auf die vorsichtige Zustimmung von Michael Kunze, dem katholischen Dekan für Offenbach. Vorsichtig deshalb, da die Gründe für den Austritt nicht angegebenen werden müssen. "In diesem Fall liegt der Verdacht aber nahe", sagt Kunze.br /Der Blick in die Statistik der Stadt Offenbach offenbart, dass die Zahl der Christen am Main schrumpft. Ende 2007 lebten in Offenbach rund 54.000 Christen. Bei einer Gesamteinwohnerzahl von knapp 118.000 gehören also deutlich weniger als 50 Prozent der Offenbacher einer christlichen Kirche an. Dass allerdings schon bald die Muslime in Offenbach die absolute Mehrheit der Einwohnerschaft stellen, wie unlängst eine überregionale Frankfurter Tageszeitung behauptete , stimmt nicht.br /Auf zirka 16.000 schätzt Abdelkader Rafoud, Vorsitzender des Ausländerbeirats (ALB), die Zahl der in Offenbach lebenden Muslime. "Leider gibt es keine genauen Zahlen", sagt er. Deshalb setzt Rafoud sich dafür ein, dass beim Einwohnermeldeamt alle Konfessionen erfasst werden. Denn für ihn steht fest, dass die muslimischen Gemeinden noch am Wachsen sind.br /Genauso wie Bekir Sahin, Sekretär der Türkisch-Islamischen Gemeinde Offenbach, ist der ALB-Vorsitzende erfreut, dass der Dialog zwischen den Religionen in der Lederstadt hervorragend funktioniert. "Es ist ein sehr gutes Verhältnis", sagt Rafoud.br /Das können die Dekane Reiß und Kunze bestätigen und zählen erfolgreiche Projekte wie die Interkulturellen Wochen oder den interreligiösen Rundgang durch die Gotteshäuser auf.br /Der Mitgliederverlust bei den christlichen Kirchen bedeutet aber keinen Bedeutungsverlust, meinen die beiden. "Wir haben nach wie vor eine wichtige und gehaltvolle Stimme in der Stadt", sagt Michael Kunze. Und da viele nicht die engste Bindung zu Kirche hätten, müsste deutlicher aufgezeigt werden, welche Funktionen diese in der Gemeinschaft ausübt. So werden durch Kirchensteuergelder Kindertagesstätten, Altenheime und andere soziale Einrichtungen finanziert. Auch in die Kinder- und Jugendarbeit, die für alle offen steht, fließe Geld. Unbezahlbar hingegen die Seelsorge, die Pfarrerinnen und Pfarrer leisten.br /"Wer aus der Kirche Austritt, verlässt eine Solidargemeinschaft und macht diese damit auch ein Stück ärmer", findet Kunze deutliche Worte. Der Weg zurück in die Gemeinschaft sei simpel. Auf jedem evangelischen und katholischen Pfarrbüro kann der Wiedereintritt schnell und unkompliziert erklärt werden.br /(siehe Kommentar Seite z

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