Aussteiger, die einsteigen wollen

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Zwei, die es wissen wollen: Lorena Bardenheier und Timm Wagenknecht aus dem Taunus sind mit ihren Rädern auf dem Weg nach Peking.

Taunus - Timm Wagenknecht und Lorena Bardenheier haben ihr normales Leben auf Pause gedrückt und sich aus dem Staub gemacht. Mit dem Fahrrad, Richtung China.  Von Dirk Beutel

Mehr über Lorena Bardenheier und Timm Wagenknecht auf ihrer Internetseite.

Es ist der Trip ihres Lebens. Ein Jahr lang unterwegs. 18.000 Kilometer mit dem Fahrrad über staubige Pisten, steile Berge und matschige Abfahrten. Ihr Ziel: Der Weg nach Peking. Sich Zeit nehmen und mit allen Sinnen reisen.Seit Anfang Februar sind die Langenhainerin und der Kelkheimer unterwegs. So etwas wie einen Zeitplan haben sie längst verworfen. „Es nimmt einem den Spaß am Reisen. Wir waren am Anfang ständig gestresst, weil wir immer den Zwang hatten, unsere geplante Kilometeranzahl pro Tag zu erreichen. Es war kein Platz für Improvisation oder Erholungsphasen. Auch Faktoren wie Wetter, Straßenzustand und Gesundheit sind schwer einzukalkulieren.“ Nach den bisher zurückgelegten knapp 6000 Kilometern (davon 5700 Kilometer geradelt) hat sich so manche anfängliche Vorstellung verändert: „Die Flucht vor dem Alltag. So haben wir unsere Reise oft beschrieben. Die Seele baumeln lassen. Sich Zeit nehmen. Auf andere Gedanken kommen. In der Planung klang das einfach. In der Realität sieht das Ganze schon ein wenig anders aus“, schreiben Wagenknecht und Bardenheier auf ihrem Internet-Blog.

Vor allem die tägliche Suche nach einem Schlafplatz bereitete dem Paar anfangs Schwierigkeiten: „Am Anfang war das sehr ungewohnt und oft auch unheimlich. Die Ungewissheit, wo man am Abend schläft und das ständige Weiterziehen sind manchmal wirklich anstrengend und nervenaufreibend“, sagen die beiden.

Das kann einem schonmal passieren, wenn man sein Zelt in der Wildnis aufschlägt.

Doch ans Aufgeben hat noch keiner gedacht. Jedenfalls nicht so richtig: „Wenn man müde ist und keinen Schlafplatz findet, oder man bei praller Sonne einen steilen Berg hinauf fährt. Da denkt man sich schon, warum tut man sich das eigentlich an? Jedoch nie ernsthaft. Und es gibt so viele andere Momente, die es wert sind, auch mal die ein oder andere Strapaze auf sich zu nehmen. Man lernt wunderbare Menschen kennen, sieht die tollsten Landschaften und erlebt Dinge, die einem als Flugzeugtourist wahrscheinlich nicht passieren würden“, sagen Bardenheier und Wagenknecht. Ein Jahr im Voraus haben sie ihre Fahrrad-Tour geplant und ihre Reisekasse aufgebessert. Sponsoren unterstützen die beiden mit Material und Kleidung. Besonders wichtig: Ihr Bilder-Wörterbuch. Denn nicht überall auf der Welt kommt man mit der englischen Sprache weiter.

Als Aussteiger bezeichnen sich die beiden Kommunikationsdesigner nicht. Mehr als Einsteiger in das Leben als Fahrradnomaden. Dabei verknüpfen sie ihr Abenteuer mit ihrem künftigen Beruf als Fotografen und Filmschaffende: Die Eindrücke ihrer Reise dokumentieren die 26- und der 27-Jährige mit der Fotokamera und auf Video. Aus dem gesammelten Material soll ein Dokumentationsfilm gebastelt werden, der Ende 2013 fertig sein soll.

Bis dahin haben Lorena Bardenheier und Timm Wagenknecht aber noch einige Kilometer vor sich. Mittlerweile haben sie Aserbaidschan erreicht. Bisheriges Resumee des Materialverschleißes: Drei Platte, ein gebrochener Ständer und ein gerissenes Rückleuchtenkabel.

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