Weil viele nicht direkt einen Studienplatz bekommen

Ab ins Ausland: Work and Travel immer beliebter

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Mit dem Rucksack durch ein fremdes Land zu ziehen und für sich selbst zu sorgen, ist für viele Jugendliche ein Abenteuer.

Region Rhein-Main – Für die Abiturienten der Region heißt es im Juni: Ab in die Freiheit. Nach Schule und Lernstress zieht es viele von ihnen in die Ferne. Dabei ist Work and Travel bei den Jugendlichen total angesagt. Von Fabienne Seibel.

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„Abiturienten machen sich immer öfter direkt nach der Schule ab ins Ausland und entschließen sich zu einem Work and Travel-Aufenthalt“, sagt Nina Streffing  von der Work and Travel-Agentur  AIFS. „Durch die Schulzeitverkürzung (G8) gibt es viele, die direkt nach dem Abitur keinen Studien- oder Ausbildungsplatz bekommen, und sich spontan zum Work and Travel entschließen“, ergänzt sie. Weil die Schüler durch G8 noch sehr jung und unentschlossen sind, nehmen sie sich beim Jobben im Ausland die Zeit, um über ihre Zukunft nachzudenken. Doris Kölsch, Kinder- und Jugendpsychologin aus Darmstadt: „Nach der Schule zum Work and Travel aufzubrechen, ist derzeit ein richtiges Modephänomen bei den jungen Leuten. Immer mehr wagen diesen Schritt ins Abenteuer.“ Streffing ist sich sicher: „Durch die altersbedingte Unentschlossenheit, überfüllte Unis und den wegfallenden Zivil- oder Wehrdienst werden immer mehr junge Menschen zur Überbrückung den Schritt ins Ausland wagen.“

Beliebtestes Ziel weiterhin Australien

Beliebtes Ziel für die jungen Leute mit Fernweh ist weiterhin Australien. Tanja Kuntz  von der Agentur Travel Works  erzählt: „Für die typischen Jobs wie das Arbeiten auf einer Farm oder im Freien ist Australien das optimale Land, da es dort drei Klimazonen gibt und dadurch gibt es immer eine Region, in der gerade geerntet wird.“ Marisa de Luca  von der Agentur Stepin  erklärt: „Neben den typischen Work-and-Travel-Ländern wie Australien, Kanada und Neuseeland geht der Trend auch zu kleineren Ländern wie Irland oder England.“

Doch auch soziales Engagement wird bei den jungen Leuten immer beliebter. De Luca: „Das Interesse an freiwilliger Arbeit im Ausland in sozialen Bereichen wächst. Statt dem typischen Work and Travel arbeiten viele Abiturienten nach der Schule auch in Ländern wie China oder Thailand für den guten Zweck in Schulen oder Altersheimen.“ Kuntz ergänzt: „Sich für andere Menschen oder auch Tiere und Natur im Ausland einzusetzen, weckt immer mehr Interesse, doch dem gängigen Work and Travel wird dadurch nicht der Rang abgelaufen, denn bei sozialer Arbeit fehlt der Abenteuerfaktor.“ Kuntz selbst war nach der Schule 14 Monate lang in Down Under unterwegs und hat sich mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen. Sie sagt: „Allein ins Ausland zu gehen und sich dort selbst zu versorgen kann ich jedem nur empfehlen. Man lernt während dieser Zeit so viel, was einem keine Uni und kein Beruf beibringen kann.“

Die Persönlichkeit reift

Auch Kölsch sagt: „Sich alleine in einem fremden Land durchzuschlagen bringt junge Leute unheimlich weiter. Sie kapseln sich von ihren Eltern ab, müssen Verantwortung übernehmen und kommen mit einem vollen Rucksack an Erfahrungen zurück.“ Kölsch war selbst als Aupair-Mädchen in den USA und sagt: „Diese Erfahrung war wegweisend für mein weiteres Leben. Ohne eine Rollenzuweisung in ein anderes Land zu reisen, bedeutet eine große Freiheit. Man bekommt neue Denkanstöße und verändert sich.“ Selbst bei gescheiterten oder früher beendeten Auslandsaufenthalten profitiert man laut Kölsch: „Egal wie es letztlich ausgeht: Man macht Erfahrungen, die die Persönlichkeit reifen lassen.“

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