Von wegen Opa-Sport: Vormarsch der jungen Odenwald-Wanderer

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Mit GPS-Geräten in der Hand macht eine Odenwald-Wanderung auch Jugendlichen Spaß.

Region Rhein-Main – Den Wandervereinen droht das Aussterben, hieß es kürzlich in einem Fernsehbeitrag. Die Mitglieder werden immer älter, für Jüngere fehlt es an Angeboten. Für den Odenwald ergibt sich ein ganz unterschiedliches Bild. Von Norman Körtge

Roland Hohlfeld gehört noch zu den jüngeren Vereinsmitgliedern. Dabei ist der Vorsitzende des Reinheimer Odenwaldvereins auch schon 62 Jahre alt. Knapp 200 Mitglieder zählt der Verein, die Mehrzahl ist zwischen 60 und 79 Jahre alt. So musste er auf der jüngst stattgefundenen Jahreshauptversammlung zum einen darauf hinweisen, dass bei Veranstaltungen und Wanderungen auf die körperlichen Verfassungen der älteren Mitglieder Rücksicht genommen werden müsse, zum anderen darauf, verstärkt jüngere Mitglieder zu werben.

Von einem Aussterben kann aber nicht die Rede sein. „Die Mitgliederzahl ist seit Jahren konstant geblieben“, berichtet er. Im vergangen gab es etwa acht Abmeldungen und genau acht Zugänge. Das Problem sei eher, dass die Alten eben ein Programm für die Alten machen. „Das müssen wir ändern“, meint Hohlfeld.

Mit GPS-Geräten in der Hand macht eine Odenwald-Wanderung auch Jugendlichen Spaß.

Ähnlich sieht die Lage Barbara Adam, Vorsitzende der Langener Ortsgruppe des Odenwaldklubs (OWK). Auch hier sind es etwa 200 Mitglieder und in den vergangenen Jahren sind es nur „unerheblich weniger geworden“, sagt sie. Nachwuchs gebe es auch. Allerdings ist der meist „auch schon im Rentenalter“, sagt sie mit ein wenig Ironie in der Stimme.

Kleinere Wandergruppen

Dass die Altersstruktur nichts mit dem Wandern an sich tun hat, weiß Manfried Hering, Pressereferent des Gesamtvereins Odenwaldklub. „Wandern ist in. Auch bei jungen Menschen und auch im Odenwald“, sagt er. Allerdings hat sich das Verhalten geändert. „Viele wollen nicht mehr in den großen Gruppen wandern“, hat er beobachtet. Verbreiteter sei es, dass sich bei schönem Wetter zwei oder drei Freunde verabreden, um mal eine Tour im Odenwald zu machen. Die Nachfrage nach Kartenmaterial ist da, sagt Hering. Und mit dem Alemannenweg und dem Nibelungensteig gebe es bereits zwei zertifizierte Wanderwege. Bei der Gestaltung und Wegführung seien alle die neuen Erkenntnisse eingeflossen, was der moderne Wanderer so wünscht. Dass die rund 15.000 Mitglieder in den 110 Ortsgruppen des Odenwaldklubs auch für die Markierung der Wanderstrecken verantwortlich sind, gehe oft unter.

Abenteuercharakter für die Jugend

Um auch der Jugend im Odenwaldklub einen Platz zu bieten, macht sich der Groß-Umstädter Alexander Mohr stark. Der 32-Jährige ist der Jugendreferent des Klubs und setzt auf den Abenteurcharakter. Mit Geo-Caching, einer Art Schnitzeljagd mit GPS-Geräten, lassen sich auch Jugendliche in den Odenwald locken. „Auch Mottowanderungen, etwa entlang von Burgen, kommen gut an“, weiß Mohr.

Dass OWK und Jugend kein Widerspruch ist, weiß Roswitha Groh aus Eppertshausen. Zirka 400 Mitglieder zählt ihre Ortsgruppe. 246 davon sind unter 21 Jahren. Dies liegt aber nicht nur an den Wanderaktivitäten, gibt Groh zu. Durch ein Mandolinen-Schülerorchester und drei Tanzgruppen würden stets junge Familien angesprochen. Zum Wandern ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

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