Aufgepumpt sähen sie aus wie echt: Modellautos der Sammler-Oberklasse

Von Florian GröschOffenbach - Die Dinger sehen verdammt echt aus.

Setzte man eine Luftpumpe an und ließe die selbstverständlich maßstabsgetreuen Modellautos damit auf Originalgröße anschwellen, der Unterschied zum fahrtüchtigen Vorbild wäre selbst auf den zweiten Blick schwer zu erkennen.

Rüdiger Weller deutet mit seiner dabei riesig wirkenden Fingerspitze auf den Reifen eines Horch 853. "Man sieht sogar die Nippel, in denen die Speichen stecken", sagt er. Höchstens ein paar zehntel Millimeter im Durchmesser, alle einzeln lackiert und eingebaut.

Weller ist Experte in Sachen Modellautos. seit sechs Jahren betreibt er den Internet-Versand "Model Car", im September hat er in Offenbach an der Sprendlinger Landstraße 118 ein Geschäft dazu eröffnet. Das einzige dieser Art in der Region.

Aus bis zu 1500 Teilen kann ein Modellauto bestehen, je nach Maßstab. Standards sind 1:12, 1:18, 1:24 und 1:43. Zusammen bauen müssen die Kunden die Wagen allerdings nicht, denn Weller verkauft keine Bausätze, das Geschäft damit seit "so gut wie tot", sagt der 46-jährige.

Höchst lebendig ist jedoch nach wie vor die Sammelleidenschaft derer, die seine Autos kaufen. Und die wollen Qualität. Zu kleinen Preisen selbstverständlich, denn wir schreiben das 21. Jahrhundert. Auch das kein Problem. "Die Autos werden in China gefertigt" erklärt Weller. Nur so sei ein Stückpreis von 150 bis 200 Euro für ein 1:24 Modell wie den Horch zu erzielen. Vor ein paar Jahren kosteten die Schmuckstücke noch das drei- bis vierfache.

Wäre heute auch in Ordnung, denn die Detailverliebtheit die die Macher (Weller vertreibt hauptsächlich Autos der Firma CMC) an den Tag legen, ist beeindruckend. Noch ein Beispiel, diesmal ein Bentley Typ 35, Grand Prix, Baujahr 1924. Dieses Rennauto wurde damals einzeln angefertigt, von Hand, weshalb jedes Teil an jedem Wagen eine leicht abweichende Form hatte.

Und CMC machtâ??s genauso. "Die Karosserie besteht aus Kupfer", sagt Weller, und jedes Teil wird ebenfalls von Hand gefertigt. Die Lenkung funktioniert, ebenso wie die Blattfederung. 967 Einzelteile, 205 Euro der Preis - ein Schnäppchen für Sammler, aber nichts zum Spielen. Weller: "Das macht keiner, die Modelle stehen nur in Regalen oder Vitrinen".

Selbstverständlich gehtâ??s auch teurer, wesentlich sogar. Der Klein-Nachbau des Mercedes Supersportlers SLR McLaren im Maßstab 1:12 schlägt mit 1.900 Euro zu Buche. "Die Modellbauer arbeiten eng mit den Mercedes-Leuten zusammen", sagt Weller. Es werden nur Originallacke und das Originalleder für die Sitze verwendet.

Den Sinn fürs Filigrane hat Weller schon seit seiner Jugend. Er ist gelernter Zahntechniker, und in seinem Dental-Labor, nur eine Tür weiter, ist ebenso feinsinnige Arbeit gefragt. Er selbst hat früher für Sammler Autos zusammengebaut und dabei seine Leidenschaft für die kleinen Fahrzeuge entdeckt.

Neben den Modellautos vertreibt Weller noch hochwertige Uhren der Firma Swiss Hypertec und Retro-Kofferradios von Roberts, Hoflieferant der Königin von England. Das Paradestück des Chronometer-Kataloges trägt er selbst am Handgelenk. "Wasserdicht und haltbar bis 12.000 Meter Tiefe".

Weitere Infos gibt es auf Wellers Internetseite www.modelcar.de. Sein Geschäft hat er geöffnet mittwochs und freitags von 15 bis 19 Uhr und samstags von elf bis 15 Uhr.

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