Auch Haie wollen nur schnuppern

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Taucher Adi Besic aus Dieburg taucht mit Haien im offenen Meer und schießt wunderschöne Fotos.

Dieburg – Adi Besic ist alles andere als ein Angsthase. Immerhin taucht der 58-Jährige schon seit 28 Jahren auch schon mit Haien. Beim kürzlich absolvierten Tauchurlaub im Roten Meer geriet der Dieburger aber an seine Grenzen. Von Jens Dörr

„Das Schiff hieß bezeichnenderweise ,Longimanus’“, sagt Besic, was der Name einer Haiart ist, die bis zu drei Meter lang wird. Mit Longimanus-Haien, die als friedlich gelten, war das Mitglied des Tauch-Teams Dieburg bereits mehrfach Seite an Seite, traf nach seiner Landung in Ägypten auch bei der Dreiecks-Tour zwischen den Riffen Brother Islands, Deedlehouse und Elphinstone auf Exemplare. „Hammerhaie sind aber die gefährlicheren, werden bis zu fünf Meter lang“, sagt der Dieburger, der sich früher mit Aquaristik beschäftigt hat und sich in der Meeresbiologie auch jenseits von Standards à la „Großfisch frisst Kleinfisch“ auskennt. Obwohl er sich mit dem Leben unter Wasser gut auskennt und risiko- und verantwortungsbewusst taucht, brachte ihn das „Meeting“ mit den Hammerhaien ans Limit.

Ein Dutzend Hammerhaie beschnuppern den Taucher

Diese Unterwasseraufnahmen von Haien hat Adi Besic geschossen.

Plötzlich tauchten ein Dutzend Hammerhaie auf und „beschnupperten“ ihn. Dennoch gelangen dem Bildhauer mit seiner Zehn-Megapixel-Spiegelreflexkamera im Unterwassergehäuse spektakuläre Aufnahmen. „Ich wusste, dass es bei den Brother Islands Hammerhaie gab und die auch meist in Gruppen auftreten“, meint Besic, der sich stets vorschriftengemäß mit Tauchpartner unter die Oberfläche begibt. Als er am genannten Riff seinen Tauchgang absolvierte und auf einmal ein Dutzend der mitunter skurril aussehenden Wesen mit dem charakteristischen, hammerförmigen Äußeren auftauchten, stoppte aber fast sein Atem: „Wie aus dem Nichts waren die da. Zunächst bleibt dir da die Luft weg, dann genießt du es aber nur noch.“ Bis auf eine Armlänge heran kamen die majestätischen Tiere, die trotz 150 Kilogramm durch das Wasser zu gleiten scheinen. „Du denkst da weniger über die Gefahr nach, als das Faszinierende um dich herum wahrzunehmen.“

Besic ist nicht Lebensmüde

Eine Momentaufnahme Unterwasser.

Lebensmüde sei er in keiner Weise, betont Besic. In solchen Momenten werde aber das immer vorhandene Restrisiko bewusst. Wichtig sei, dass man sich ruhig bewege. Das dafür notwendige „Verharren“ im Wasser müsse man schlicht üben – notfalls auch im Hallenbad. Als größere Gefahr für die Weltmeere bezeichnet er allerdings den Tauch-Tourismus – sofern unverantwortlich ausgeübt: „Es tut mir in der Seele weh, wenn mit einem unsachgemäßen Flossenschlag ein Riffwachstum von Jahrhunderten zerstört wird.“ Die Natur dürfe nicht aufgewühlt werden von verantwortungslos Tauchenden, die teilweise überhaupt keine Ahnung vom Leben in der See hätten.
Noch näher als die Hammerhaie kamen im jüngsten Trip im Roten Meer, bei dem ihn ein Bekannter begleitete, unterdessen die Longimanus-Haie – auch Weißspitzen-Hochseehai genannt – an ihn heran. „Da gab es Berührungen, die waren schon grenzwertig“, so Besic. Für Beginner sei das Tauchen mit den Haien ohnehin nichts. Hintergrund: „Der Longimanus ist eben neugierig. Der geht auf alles, was sich bewegt.“

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