Auch wer elektrisch qualmt, muss in den Raucherbereich

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EXTRA-TIPP-Volontärin Angelika Pöppel zieht an der  elektrischen Zigarette. Wie sich das anfühlt, verrät sie im Test.

Frankfurt – Wieder überall rauchen – ein Traum für alle Nikotinsüchtigen. Dass dieser wahr wird, versprechen die Hersteller der elektrischen Zigarette, die es jetzt auch in einer Frankfurter Bar zum Probieren gibt. Doch das sieht das Hessische Sozialministerium anders. Von Jennifer Dreher

Der Hersteller der elektrischen Zigarette verspricht, dass 98 Prozent des Nikotins noch vor dem Ausatmen von den Schleimhäuten aufgenommen wird. Zudem seien bis auf das Nervengift Nikotin keine Schadstoffe in den auswechselbaren und mit einer Flüssigkeit befüllten Kapseln enthalten. Ein Verdampfer überführt den Inhalt von seinem flüssigen in einen gasförmigen Zustand, es qualmt – nahezu ohne Geruchsentwicklung. Damit sei die Umgebung nicht mehr schädlichem Rauch ausgesetzt.
Doch da noch nicht geklärt sei, wie viel Nikotin wirklich in dem Dampf enthalten ist, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung entschieden, dass die elektrische Zigarette wie ein herkömmlicher Glimmstengel zu behandeln ist. Und auch die Sprecherin der hessischen Landesärztekammer, Katja Möhrle, warnt: „Die elektrische Zigarette ist kein Spielzeug. Sie kann eine Sucht in Gang bringen.“

Noch keine Bußgelder in Offenbach und Frankfurt

So sieht die Smuxx aus. Zum Testen gibt es aus hygienischen Gründen im Afri-Studio noch einen kleinen Plastikaufsatz dazu.

Weit verbreitet ist das Produkt noch nicht. In Offenbach gab es noch keine Bußgelder wegen des Rauchens einer elektrischen Zigarette im Nichtraucherbereich, wie Peter Weigand, Leiter des Offenbacher Ordnungsamtes, mitteilt. Das Gleiche gilt für Frankfurt laut Ralf Rohr vom Frankfurter Ordnungsamt. Für ihn mache es keinen Unterschied, ob die Zigarette elektrisch ist oder nicht. Ein Bußgeld gebe es in jedem Fall.
Bei Afri-Studio-Besitzer Philipp Koch, der die Zigaretten mit dem grün-leuchtenden Glutlicht an seine Kunden verkauft (Starter-Set für zirka 60 Euro), können sie auch ausprobiert werden. Er findet es nicht schlimm, wenn die elektrische Zigarette wie eine normale behandelt wird. „Bei uns dürfen Kunden sowieso erst ab 18 Jahren rein, und wir sind schon eine Raucherbar“, sagt Koch.

Hersteller will sich wehren

Aron Lindermeir

Für Aron Lindermeir, der die Zigarette vom Hersteller Smuxx vertreibt, ist das Verbot in Nichtraucherbereichen neu. „Es gibt ja auch nikotinfreie Kapseln, bei denen absolut keine Schadstoffe austreten. Das ist wie das Inhalieren von Tee. Das zu verbieten macht für mich keinen Sinn“, sagt er. Nun will der Hersteller die Sache mit dem Sozialministerium klären und per Gutachten beweisen, dass keine Schadstoffe im Dampf der Smuxx-Zigarette enthalten sind. Bis dahin gilt, was das Ministerium sagt: Die elektrische Zigarette gehört in den Raucherbereich.

(Von Angelika Pöppel) Auf den ersten Zug ist die elektrische Zigarette sehr ungewohnt. Zwar spüre ich den Dampf in meinen Lungen, aber der Geschmack ist sehr leicht und ähnelt nicht wirklich dem einer echten Zigarette. Aber die Wirkung ist gleich. Denn mein Verlangen ist gestillt – bis zur nächsten Zigarette. Mein Fazit: Die grün-glühende Elektro-Alternative eignet sich wohl eher als Party-Gag.

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