Attraktiv mit nur einer Brust dank Prothese und High-Tech-Badeanzug

Von Christian Reinartz Dieburg - Irmgard Berk und Magdalena Bleh sind zwei lebenslustige Frauen, die ihren Körper stolz in bunten Badeanzügen auf dem Laufsteg zeigen.

Dass sie wegen einem Krebsleiden brustamputiert sind, ist nicht einmal erahnbar - dank Hightech-Prothesen, mit denen ihre Badeanzüge ausgestopft sind. Im Dieburger Sanitätshaus Klein präsentierten sie jetzt die aktuelle Sommer-Kollektion. Ihr Publikum: 48 an Brustkrebs erkrankte Frauen aus der Region, denen die Erleichterung, endlich etwas gefunden zu haben, im Gesicht geschrieben steht.

"Das Leben geht auch nach einer Brustamputation weiter", sagt Magdalena Bleh. Die Braunhaarige sieht an sich herunter: "Heute braucht sich keine Frau mehr zu verstecken." Spezielle High-Tech-Badeanzüge und Dessous für Amputierte machen es möglich. In die Körbchen ist eine raffinierte Tasche eingearbeitet. In diese werden speziell angefertigte Silikon-Prothesen eingesetzt, sodass sie nicht verrutschen können. Nicht einmal, wenn die Frau sich mit ihrem Ausschnitt nach vorne beugt, ist das Polster zu erkennen. Auch beim Berühren ist kein Unterschied zum echten Busen zu merken.

Als die beiden Models ihre ersten Runden drehen, fällt jeder einzelnen Zuschauerin ein Stein vom Herzen. "Ich bin so froh, dass es diese Badeanzüge und Dessous gibt", sagt eine grauhaarige Mitfünzigerin, deren Gesicht noch von der Krebstherapie gezeichnet ist. Dennoch funkelt die Lebenslust in ihren Augen. "Jetzt kann ich endlich wieder schwimmen gehen, und mein Mann freut sich auch über die schöne Wäsche", sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Für Moderatorin Annelie Barg, selbst betroffen, ist die überschwängliche Reaktion nichts Neues. "Das ist immer so. Die Frauen bekommen durch unsere Mode ein Stück Lebensqualität zurück, dass sie verloren geglaubt hatten. Das macht sie glücklich"

Die ausgeklügelten Badekleider kosten etwa 100 bis 120 Euro. Dazu kommt noch die individuelle Brust-Prothese. "Aber das bezuschussen viele Krankenkassen", relativiert Ursula Hoffmann vom Sanitätshaus Klein: "Man muss halt nachfragen." Für die Frauen ist der Preis aber kein Hindernis. Sie zahlen ihn gerne - um endlich wieder so leben zu können, wie vor der Operation, die ihr Leben so grundlegend verändert

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