Atom-Debatte: Politik setzt wieder auf Kohle

+
Winfried Schwab-Posselt kämpft gegen den Ausbau des Kohlekraftwerks Staudinger.

Hainburg / Großkrotzenburg – Die Atom-Katastrophe in Japan hat auch Auswirkungen auf den geplanten Ausbau des Kohlekraftwerks Staudinger in Großkrotzenburg. Da die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken zur Diskussion steht, setzen Politiker jetzt wieder auf die Kohle. Von Norman Körtge

Einer der ersten, der sich in Woche eins nach der Atom-Katastrophe in Japan zur hessischen Energiepolitik zu Wort meldete, war FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn. Er stellte nicht nur die bisherige Atompolitik in Frage, er rückte als Alternative auch den umstrittenen Ausbau des Kohlekraftwerks Staudinger in den Fokus.

„Das zeigt mal wieder, wie rückwärts gewandt die hessische Landesregierung in Energiefragen ist“, meint dazu Winfried Schwab-Posselt, Sprecher der Bürgerinitiative „Stopp Staudinger“. Für den Hainburger ist Kohle keine Alternative zu Atom und umgekehrt. Er befürwortet einen generellen Wechsel zu regenerativen Energien aus Sonne, Wind und Wasser.

Studie des Sachverständigenrates für Umweltfragen

Als Beweis dafür, dass dies nicht irgendwelche Hirngespinste oder Wunschvorstellungen sind, verweist Schwab-Posselt auf eine aktuelle Studie des Sachverständigenrates für Umweltfragen: Ein wissenschaftliches Beratungsgremium der Bundesregierung. „Die haben ja nun wirklich nicht den Ruf, Öko-Fundamentalisten zu sein“, meint Schwab-Posselt.

In der Studie arbeiten die Experten heraus, dass der Übergang zu einer Versorgung aus rein regenerativen Energiequellen ohne eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken und ohne den Bau von neuen Kohlekraftwerken möglich ist. Umsetzbar sei dies bis zum Jahr 2050. Das größte Potential sehen die Experten dabei in der Windenergie, insbesondere bei Anlagen, die im Meer stehen.

Klagen gegen Staudinger

Gegen die vom Regierungspräsidium Darmstadt erteilte Teilgenehmigung für den Bau des neuen 1100-Megawatt-Blocks in Großkrotzenburg – es wäre einer der größten Kohlekraftwerkblöcke auf der Welt – klagen die Kommunen Hanau, Hainburg und Alzenau sowie der bayerische Landesverband des BUND vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel.

Mehr zum Thema

Kommentare