Arbeitslose Frauen als Designer

In Frankfurt entstehen Taschen aus Stoffresten

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Bettina Krüger und Isabelle Ambellouis (von links) nähen Taschen.

Frankfurt – Aus Stoffresten entstehen bei Affentor jedes Jahr rund 5000 Taschen. Nachwuchsdesigner entwerfen die Modelle, genäht werden sie dann von Frauen, die lange arbeitslos waren und jetzt auf dem Weg zu den Berufsabschlüssen Modenäherin oder Änderungsschneiderin sind. Von Julia Renner

In jeder Tasche sind Modell-Nummer und Gesamtzahl der hergestellten Taschen eingearbeitet, zeigt Affentor-Chefin Renate Schmitt.

Was aus der Manufaktur Affentor kommt, ist nicht nur stylish, sondern auch exklusiv. Maximal 50 Taschen entstehen aus einem Stoff, manchmal sind es auch nur zehn. Bundesweit ist das Team von Affentor, das zur Werkstatt Frankfurt gehört, unterwegs, um solche Stoffe einzukaufen. Nach Entwürfen junger Designer aus der Region werden die dann zu Umhänge- und Laptoptaschen verarbeitet.

Genäht werden die Modelle von 25 Frauen, die derzeit den „Frankfurter Weg“ gehen. Das ist eine zweijährige Qualifizierung zur Modenäherin, die auch auf drei Jahre und damit zum Abschluss Änderungsschneiderin ausgebaut werden kann.

80 Prozent der Teilnehmerinnen werden in einen Job vermittelt

Zwischen 25 und 45 Jahre alt sind die Teilnehmerinnen, die keinen Lohn bekommen, dafür aber Hartz IV und einen Abschluss. Affentor selbst erwirtschaftet keinen Gewinn.30 Stunden pro Woche arbeitet jede Frau in der Näh-Werkstatt, vier Stunden wird in Lerngruppen Theorie gebüffelt und fünf Stunden arbeiten sie von Zuhause. Ein System, das sich bewährt hat: „Es gibt nur ganz wenige Abbrecher,“ sagt Chefin Renate Schmitt. Und: „Bisher wurden 80 Prozent der Teilnehmerinnen nach der Qualifizierung vermittelt.“

Diese Hoffnung hat auch Bettina Krüger. Durch das Jobcenter ist sie zu Affentor gekommen, obwohl sie überhaupt nicht nähen konnte, wie sie sagt. „Aber mittlerweile macht es mir Spaß“, sagt die 28-Jährige.

Im zweiten Jahr ist Isabelle Ambellouis dabei. „Ich war 14 Jahre lang Hausfrau, habe sechs Kinder und wollte endlich wieder etwas machen“, sagt die 46-Jährige. Angelernt werden sie von Schmitt und zwei weiteren Schneidermeisterinnen. Für die ist das auch ein Stück Sozialarbeit. Denn vielen Frauen fehlt nach Jahren ohne Job oft das Selbstbewusstsein, sagt Schmitt.

Wer die Qualifizierung machen möchte, kann sich bei Renate Schmitt unter Telefon (069) 96201849 melden. Weitere Infos auch auf www.affentor.de.

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