Protest mit leerem Magen

Dietzenbach - Er hätte einen Job gehabt. Kurt Kolf wird bei einem Taxiunternehmen vorstellig, dass ihm eine Festanstellung garantiert. Einziges Problem: Er muss die Taxischein-Ausbildung für 630 Euro absolvieren. Unterstützung von Pro Arbeit Dietzenbach bekommt er nicht.

Kolf wendet sich am 3. August an Pro Arbeit Dietzenbach. Er habe alle Unterlagen vorlegen können. Lediglich die Kontoauszüge hätten gefehlt. Kolf: "Ich habe eine Postbank-Sparcard. Da werden die Kontoauszüge nur halbjährlich verschickt", sagt er. Sein Versprechen: Er werde sie nachreichen. Sofort bekommt er ein Schreiben mit dem Zusatz "letztmalige Aufforderung zur Vorlage aller Unterlagen." Er wird beruhigt, dass sei der Standardaufdruck und betreffe ihn nicht. Eine Woche später wird sein Antrag abgelehnt. Seitdem hat er kein Geld, lebt von nichts. "Ich habe noch eine Einkommens-Rückerstattung bekommen. Wenn die aufgebraucht ist, weiß ich nicht mehr weiter."

Bitter: Er hätte einen Job gehabt. Kolf wird bei einem Taxiunternehmen vorstellig, dass ihm eine Festanstellung garantiert. Einziges Problem: Er muss die Taxischein-Ausbildung für 630 Euro absolvieren. "Ich habe aber keine finanzielle Unterstützung von Pro Arbeit Dietzenbach bekommen, weil ich nach deren Unterlagen gar kein Leistungsbezieher bei ihnen bin", sagt Kolf. Pro-Arbeit-Pressesprecher Ralf Geratz-Krambs: "Es gibt Regeln, an die sich unsere Kunden halten müssen. Und wenn die Auszüge fehlen, können wir nichts machen. Herr Kolf soll sich aber umgehend bei uns melden, dann wird ihm im Rahmen der Gesetze geholfen." Kolf hat sich einen Anwalt genommen und klagt.

Das hat sich auch Martina M. überlegt (ihren vollen Namen will sie aus Scham nicht veröffentlichen lassen). Die 42-jährige Offenbacherin beklagt, dass ihr Schlafsofa kaputt und das Bett ihrer Tochter ebenfalls hinüber ist. Die 13-Jährige schläft jetzt auf einer Matratze auf dem Boden. Ihr Antrag vom 21. August sei noch nicht bearbeitet. Martina M.: "Ich habe alle zwei Tage angerufen, doch die Mainarbeit reagiert nicht. Ein Sachbearbeiter sagte mir, auf der Matratze auf dem Boden zu schlafen ist nicht schlimm."Bernhard Frank, stellvertretender Geschäftsführer von Mainarbeit: "Jeder unserer Kunden ist verpflichtet von den rund 350 Euro, die er bekommt, Ansparungen für ein kaputt gegangenen Kühlschrank oder eben ein Sofa zu leisten. Wir gewähren Grundsicherung und keine Luxussicherung."

Für Martina M. nicht nachvollziehbar. Sie habe kaum Geld zum Leben. Der Bezug ihres Schlafsofas ist gerissen und mit Flecken, resultierend von einer Magen-Darm-Grippe ihrer Tochter, übersäht. Frank: "Frau M. bekommt umgehend ein Schreiben, in der ihr alles erklärt wird. Wir können ihr zudem ein Darlehen gewähren."

Martina M. und Kurt Kolf sind wütend. M.: "Meist tut sich gar nichts." Und Kolf ergänzt: "Man wird immer vertröstet." Beide unisono: "Unsere Anliegen werden nicht ernst genommen."

Kommentare