Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Nicht wegschauen! Jede vierte Frau ist Opfer von Gewalt

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Traumatisiert und eingeschüchtert: Trotzdem suchen immer mehr weibliche Gewaltopfer nach Hilfe.

Region Rhein-Main - Gewalt an Frauen ist kein Randthema mehr. Etwa jede vierte Frau in Deutschland hat schon diese Erfahrung hinter sich. Noch immer wird zu oft weggeschaut und Betroffene schweigen. Von Dirk Beutel

Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Schläge oder andere Gewalttaten gegen Frauen – sie passieren öfter als man denkt. Vor dem Hintergrund des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen, am 25. November, haben der Hessische Apothekerverband und die Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenbüros jetzt eine Aufklärungsaktion gestartet. In den 1550 hessischen Apotheken liegen ab sofort Hilfekarten aus, bei welchen Stellen Opfer und Zeugen Hilfe suchen können.

Es kann jede treffen

Denn jede Frau kann es treffen. Die Studie „Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen“, die in 2009 veröffentlicht wurde, belegt, dass auch Frauen in mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten in einem viel höheren Maß Opfer von Gewalt werden, als dies bislang bekannt war. Aber: Zumindest die Opfer häuslicher Gewalt nehmen immer öfter Hilfe in Anspruch. „Die Gesellschaft hat sich verändert. Das Problem ist mittlerweile anerkannter“, sagt Veit Schiemann, Sprecher des Weißen Rings. Trotzdem bleibt die Dunkelziffer zu hoch. Eine nicht seltene, wenn auch unbewusste Anlaufstelle ist die Apotheke: „Die Leute sind es doch schon gewohnt, keinen Ansprechpartner zu haben. Deshalb springen wir als vertrauensvolle Anlaufstelle ohne Hemmschwelle in die Bresche“, sagt Hans Rudolf Diefenbach, stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes. Die Apotheke als soziale Schaltstelle. „Die Fälle von häuslicher Gewalt nehmen zu aber keiner weiß, wie er sich verhalten soll. Und diese Hilflosigkeit der Gesellschaft füllen wir aus“, sagt Diefenbach.

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Und Gewalt fängt schon in der ersten Liebesbeziehung an: Die Fachhochschule Fulda veröffentlichte eine Studie zu Gewalt in Teenagerbeziehungen. Ergebnis: 65 Prozent der Schülerinnen und 60 Prozent der Schüler haben in ihren Beziehungen mindestens einmal Gewalt erlitten. Spezielles Problem: Menschen mit Migrationshintergrund. Sie sind von Gewalt deutlich stärker betroffen als der Durchschnitt. Das gilt vor allem für Frauen aus der Türkei und aus Osteuropa. „Fast 40 Prozent der türkischen Frauen sehen es als Recht des Ehemanns an, sie in bestimmten Fällen zu schlagen“, sagt Schiemann. In Hessen wurden im vergangenen Jahr mindestens 7600 Frauen Opfer häuslicher Gewalt. „Nicht der finstere Park ist der gefährlichste Ort für Frauen, sondern die eigenen vier Wände“, sagt die Staatssekretärin im Sozialministerium, Petra Müller-Klepper.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema von Redakteur Dirk Beutel.

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