Mit Baumaschinen im Riederwald

Anwohner sauer: Stadt zerstört Wege im Riederwald

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Sie sind sauer über die Bauarbeiten im Riederwald, bei denen zahlreiche Wege unpassierbar gemacht wurden (von links): Michael Tetzel, Ralph und Marianne Kollwig und Michael Balzer.

Frankfurt – Stress im sonst so ruhigen Riederwald: Mit Baumaschinen hat die Stadt zahlreiche Spazierwege zerstört. Zukünftig sollen nur noch einige Hauptwege genutzt werden. Die Anwohner sind deshalb stinksauer. Von Christian Reinartz

Riesige, abgestorbene Äste und Baumstümpfe liegen dort, wo Marianne Kollwig  seit 40 Jahren mit ihren Dackeln Gassi geht. „Die haben einfach meinen Waldweg kaputt gemacht“, sagt Kollwig und deutet auf die aufgewühlte Erde. Stattdessen soll sie nun auf den extra neu angelegten Hauptwegen laufen. Abkürzung? Keine Chance. „Die haben da überall Barrieren im Wald errichtet“, empört sich die Rentnerin. „Stattdessen muss ich mir jetzt den Weg mit Spaziergängern und Radfahrern teilen“, sagt Kollwig. „Das ist doch für alle purer Stress.“ Auch Radfahrer Michael Balzer  ist über die Umbauten in seinem geliebten Riederwald empört. „Das waren hier richtig gute Waldwege“, sagt er. „Im neuen Belag versinkt man sogar an einigen Stellen. Außerdem sieht das jetzt mehr aus wie ein angelegter Park, als wie ein echter Wald.“ Besonders hart trifft es diejenigen, die den Wald durchqueren wollten, um etwa aus den Wohnvierteln zur Arbeitsstelle laufen. „Die müssen jetzt einen riesigen Bogen machen“, sagt Ralph Kollwig. Er hat sich schon ans zuständige Grünflächenamt gewendet und die Bedenken geäußert. „Aber da hab ich nur zwei lapidare Sätze als Antwort bekommen. Die haben den Fledermausschutz vorgeschoben. Dabei fliegen hier schon seit ich ein Kind war Fledermäuse. Und das sind nicht weniger geworden.“

Seine Vermutung: „Die Stadt will ihrer Verkehrssicherungspflicht entkommen.“ Kollwig geht davon aus, dass es die Stadt billiger kommt, die kleinen Waldwege quer durch den Riederwald einfach dicht zu machen, als ständig dafür sorgen zu müssen, dass Fußgänger dort sicher laufen können. Im Grünflächenamt der Stadt Frankfurt beteuert man: „Es liegt wirklich an den Fledermäusen.“ Heike Appel, stellvertretende Amtsleiterin des Grünflächenamts: „Wir haben hier neun bedrohte Arten. Hätten wir die Wege erhalten, hätten wir angesichts der Verkehrssicherungspflicht Bäume fällen müssen, in denen die Fledermäuse wohnen.“ Gesichert sei diese Einschätzung durch ein entsprechendes biologisches Gutachten, dass im Vorfeld erstellt wurde. Verstehen, warum sich die Anwohner jetzt aufregen, kann sie nicht. „Das wurde alles im Ortsbeirat besprochen“, sagt Appel. Für Marianne und Sohn Ralph ist das eine Farce. Ein Schild, das am Waldeingang auf die Umbauarbeiten hinweist, hängt, laut Ralph Kollwig, erst seit einigen Tagen. „Wie hätten wir das denn mitbekommen sollen?

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