Anti-Atom-Sonne entfacht neuen Proteststurm

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Eileen Wolf unterstützt mit der Frankfurter Jugendgruppe von Greenpeace die Proteste gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken.

Frankfurt – Ein kleines gelbes X am Kragen ihrer Jacke macht den Protest sichtbar. Die Frankfurter Schülerin Eileen Wolf unterstützt die Anti-Atom-Bewegung im Wendland. Dort werden am ersten November-Wochenende zehntausende Menschen gegen den Castor-Transport demonstrieren. Von Norman Körtge

„Welchen Wald hast du denn am Wochenende wieder gerettet?“ Dieser und ähnliche Sprüche fielen schon, wenn Eileen Wolf montagmorgens ihre Schule betrat. „Ich habe meinen Ruf weg“, sagt die angehende Abiturientin mit einem Lächeln. Bereits seit zwei Jahren gehört die 18-Jährige der Frankfurter Gruppe der Umweltschutzorganisation Greenpeace an und arbeitet dort aktiv in der Jugendaktionsgruppe, der so genannten JAG, mit. Für Wolf ein logischer Schritt. „Umweltbewusstsein hat in meiner Familie schon immer eine große Rolle gespielt“, erzählt sie. Da die diskussionsfreudige Schülerin ihren Worten auch Taten folgen lassen wollte, suchte sie die für sich passende Organisation: Greenpeace. „Für Greenpeace sprach die Philosophie der Gewaltfreiheit und die absolutefinanzielle Unabhängigkeit“, so Wolf.

Bürger fühlen sich vor dem Kopf gestoßen

Die Anti-Atom-Sonne ist wieder da.

Bei den vergangenen Bundestagswahlen 2009 durfte die Frankfurterin noch nicht wählen. Mit Trotz nahm sie hin, dass daraus eine schwarz-gelbe Regierungskoalition hervorging. Doch dieser wich einem ironischen Lächeln. Denn mit der von Bundeskanzlerin Angela Merkel beschlossenen Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke entfachte sie selbst einen ungeahnten Proteststurm. „Das war total unklug“, meint Wolf. Viele Bürger fühlen sich seither wie vor den Kopf gestoßen. Spürbar wird das unter anderem an den Infoständen: „Klar, es gibt immer noch Menschen, die wechseln die Straßenseite, wenn sie uns sehen. Aber immer mehr kommen auf uns zu und fragen, wo sie unterschreiben müssen. Einige haben sogar Kaffee gebracht“, berichtet Wolf und ergänzt: „Die Deutschen waren lange Zeit zu brav.“
Jetzt würden vor allem junge Menschen, die die Tschernobyl-Katastrophe nur aus Erzählungen kennen, wieder über die ungelöste Endlager-Frage und wahnsinnig alte Atommeiler diskutieren, hat die Schülerin gemerkt. Viele waren bei der großen Anti-Atom-Demo Anfang September in Berlin, und viele würden sich am ersten Novemberwochenende ins Wendland fahren, um dort gegen Atomkraft und die Castor-Transporte demonstrieren. „Der Glaube, etwas verändern zu können, ist groß und motiviert“, sagt sie über sich und ihre Mitstreiter. Die Flagge mit der roten Anti-Atom-Sonne auf gelben Hintergrund liegt seither griffbereit bei ihr zu Hause.

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