Anschlagsserie

Automaten: Frankfurter Polizei jagt Sprengstoff-Bande

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Frankfurt - Die Frankfurter Polizei beschäftigt derzeit eine explosive Angelegenheit: Vermutlich eine Bande hat bereits zahlreiche Automaten in die Luft gejagt. Doch nicht nur Polen-Böller kommen dafür zum Einsatz.

Eine vermutliche Sprengstoff-Bande ist seit Wochen in Frankfurt unterwegs. Innerhalb von nur zwei Wochen gab die Polizei bereits sechs Fälle bekannt, bei denen unbekannte Täter explosives Material in das Ausgabefach von Automaten füllten. Zum Opfer fielen ihnen immer Zigaretten- oder Fahrkartenautomaten.

Erst in der Silvesternacht wurde ein Zigarettenautomat in Goldstein aufgesprengt und Zigaretten und Bargeld entwendet. In derselben Nacht entdeckte in Sachsenhausen ein Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft einen aufgesprengten Fahrkartenautomaten, der allerdings nur beschädigt und nicht geöffnet wurde. Zwei Tage zuvor flog ein Zigarettenautomat an einem Kiosk in der Thomas-Mann-Straße in der Nordweststadt in die Luft. Am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag sind Automaten an der U-Bahn-Haltestelle „Wiesenau“ und im Gerhart-Hauptmann-Ring in der Nordweststadt auf gleiche Weise zerstört worden. Und auch schon am 20. Dezember gab es in Eschersheim einen lauten Knall, als ein Zigarettenautomaten gesprengt worden war.

Statt Polen-Böller auch Gasgemische

Weil einige der Sprengungen im selben Umkreis passierten, ermittelt die Polizei nach einer möglichen Bande. „Wir können nicht ausschließen, dass es sich um eine Tätergruppe handelt. Dagegen sprechen allerdings auch vereinzelte Fälle im Stadtgebiet“, sagt Virginie Wegner, Pressesprecherin der Frankfurter Polizei. Die Ermittlungen laufen noch. Fest steht aber, dass dieses Phänomen immer rund um Silvester auftaucht. „Zu dieser Zeit kommen Jugendliche leicht an die sogenannten Polen-Böller, die eine extreme Sprengkraft besitzen“, sagt Wegner. Doch in Frankfurt haben die Ermittler auch schon entdeckt, dass die Täter ein Gasgemisch in den Automaten leiten, um ihn zu sprengen. Wegner: „Das Gas kann aus Spraydosen entnommen werden und wird derzeit kriminaltechnologisch untersucht.“

Sprengung kann tödliche Folgen haben

Die Folgen der Explosion können gravierend sein. Nicht nur, dass ein Schaden in Höhe von mehreren Tausend Euro entsteht, durch herumfliegende Teile können sich die Täter auch schwer verletzten – sogar tödlich. Ende November hatte ein Jugendlicher im rheinland-pfälzischen Neuwied die Explosion eines Zigarettenautomaten nicht überlebt. Der 16-Jährige war von einem wegfliegenden Teil im Gesicht getroffen worden und gestorben. Auch deshalb geht der Strafbestand über die Sachbeschädigung hinaus. Hierbei handelt es sich um die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion. Konkrete Hinweise auf die Täter hat die Polizei allerdings noch nicht und bittet deshalb um Zeugenaussagen.

pöp

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