Anneliese Gad macht Historisches in Preungesheim sichtbar

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Anneliese Gad vor der Kreuzkirche in Preungesheim.

Frankfurt – Anneliese Gad und ihr roter Laserpointer – mehr braucht es nicht, um Besuchern einzigartige Ansichten der Evangelischen Kreuzkirche in Preungesheim näher zu bringen. Von Norman Körtge

„Barocke Saalkirche von ca. 1716-42 Erweiterung und Ersatz einer bis in das 8. Jahrhundert zurückreichenden und noch im 12. Jahrhundert vergrößerten Kapelle, deren romanischer Glockenturm bis heute das 1910 eingemeindete Dorf Preungesheim prägt“, steht in schwarzer Schrift auf dem grünen Schild am Eingang der Kreuzkirche. Seit vielen Jahre hängt es dort bereits. Ähnlich wie auch an anderen Frankfurter Baudenkmälern. Aber im Fall der Kreuzkirche ist die Tafel veraltet. Sie wurde angebracht, bevor 1997 ein Sensationsfund die Kirche in den Fokus von Wissenschaftlern rückte.

Versteckte Wandmalerei zu entdecken

„Sie müssen es ein wenig auf sich wirken lassen. Es dauert ein paar Sekunden, bis sie alle Umrisse erfasst haben“, sagt Anneliese Gad und deutet auf eine Fläche an der Ostwand der Kirche. Dort, rechts neben einem rekonstruierten gotischen Fensterbogen, ist eine stark verblasste, teilweise nur noch bruchstückhaft zu erkennende Wandmalerei zu sehen. Nach ein paar Sekunden hilft die Preungesheimerin mit ihrem Laserpointer nach. „Sehen Sie hier“, sagt sie und fährt mit dem roten Punkt verschiedene Umrisse in etwa drei Metern Höhe nach: „Ein Thron und auf dem sitzt Maria. Auf dem Arm hält sie das Jesuskind. Beide schauen sich liebevoll in die Augen, und das Kind streichelt über das Kinn der Mutter.“

Wiederentdeckt worden ist die vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts entstandene Wandmalerei bei Sanierungsarbeiten 1997 als Holzplatten entfernt wurden, um an das Gemäuer zu kommen.

Kleine Führungen durch die Kirche

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Zwar hatte sich Kirchenvorsteherin Anneliese Gad bereits früher schon für Historisches interessiert, doch für die 1979 nach Preungesheim gezogene Frau waren die Entdeckungen der Beginn einer neuen Karriere.

„Man sieht nur, was man weiß“, sagt sie und meint damit, dass ein Besucher der Kreuzkirche von alleine vieles gar nicht erfassen kann. Deshalb steht sie wöchentlich während der „Offenen Kirche“ für Fragen und kleine Führungen bereit. Darüber hinaus erarbeitet sie zurzeit ein Ausstellungskonzept, das der Kirche sowohl als Gottesdienstort, als auch als historisches Bauwerk gerecht wird. Im benachbarten Gebäude wollen Gad und weitere Mitstreiter zudem ein Museum mit Wechselausstellungen einrichten, um die Gesichte Preungesheims, das 1910 eingemeindet wurde, darstellen zu können. Immerhin wächst der Stadtteil wegen des Neubaugebiets Frankfurter Bogen stetig.

Offene Kirche ist jeweils dienstags von 16.30 bis 17.30 und donnerstags von 17 bis 19 Uhr.

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