Banale Dinge werden zur Herausforderung

Angstschweiß am Telefon: Diese Sozialen Phobien machen den Alltag schwer  

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Sie befürchten, sich zu blamieren und die Kontrolle zu verlieren. Dies sind Merkmale von Menschen, die an einer Sozialen Phobie leiden. Vor allem die Angst vorm Telefonieren gehört dazu. Von Oliver Haas

Region Rhein-Main – Das Herz klopft schneller, wenn ein Telefonat ansteht. Es ist fast unmöglich, beim persönlichen Gespräch in die Augen des Gegenübers zu schauen. Mit Fremden zu reden, geht einher mit Schweißausbrüchen, Zittern und Schwindel. Selbst banale Dinge, wie das Umtauschen eines Artikels in einem Geschäft, wird zur Mammutaufgabe.

Wer sich erkannt hat, der leidet womöglich unter einer Sozialen Phobie. Ungewöhnlich hohe Angst, sich zu blamieren oder zu versagen, kennzeichnet diese psychische Krankheit. Laut dem hessischen Verband der Selbsthilfe Soziale Phobie (VSSP) leiden gut 3,5 Prozent der deutschen Bevölkerung darunter – also immerhin 2,8 Millionen. Der Grund, warum grade so viele Schwierigkeiten beim Telefonieren haben, sei die mediale Entwicklung. „Es wird ja immer seltener zum Telefonhörer gegriffen, um etwas mitzuteilen. Entweder man schreibt schnell eine E-Mail oder noch kürzer eine SMS oder eine Nachricht via Whatsapp“ , so Johannes Peter Wolters, Vorsitzender vom VSSP.

Die meisten haben Angst mit Anderen zu reden

Soziale Phobien sind laut Wolters bei jedem Patienten unterschiedlich ausgeprägt. „Aber fast 80 Prozent haben Probleme mit anderen Menschen zu reden.“ Normaler Smalltalk, Sprechen mit Autoritäten seien jedes Mal eine große Hürde. Selbst wenn es die Diagnose Telefonie-Phobie medizinisch nicht gibt, sei vor allem das Telefonieren eine Situation, die Betroffene scheuen. Denn: „Beim Telefonieren sehe ich mein Gegenüber nicht. Ich erkenne auf meine Aussagen keine Reaktionen im Gesicht. Dadurch habe ich weniger Kontrolle über das Gespräch“, so Wolters. Typisch sei, dass sie sich viel zu viele Gedanken über die Außenwirkung machen. „Ein lockeres, leichtes Telefonat ist deshalb kaum möglich, weil die Betroffenen zu viel Selbstkontrolle wollen.“ Daher stünden sie sich auch in vielen anderen Dingen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens oft selbst im Weg. Es gebe natürlich psychologische Therapien, die helfen können. In erster Linie plädiert Wolters aber dafür, dass diese Betroffenen die Situationen als gegeben annehmen sollten. „Natürlich ist es hilfreich, wenn die Situation des Telefonierens so oft wie es geht, geübt wird, um diese hohe Unsicherheit abzubauen.“ Eine gute Vorbereitung vor einem Gespräch, helfe außerdem den drohenden Kontrollverlust während eines Telefonates zu minimieren.

Die 10 kuriosesten Phobien

Spinnen, Schlangen, dunkle Höhlen: Es gibt nachvollziehbare Dinge, wovor sich Menschen fürchten. Doch in seltenen Fallen treten sehr kuriose Phobien auf. Der EXTRA TIPP stellt zehn der verrücktesten Ängste vor.

1. Nomatophobie: Wer daran leidet, der fürchtete sich davor, Namen auszusprechen. Sowohl den eigenen als auch den von anderen.

2. Levophobie: Diese Menschen haben vor allem Angst, was sich auf der linken Seite ihres Körpers befindet.

3. Geniophobie: Das Kinn ist hier das Objekt, dass den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

4. Coulrophobie: Wer diese Diagnose gestellt bekommt, der hat panische Angst vor Clowns.

5. Ouranophobie: Wer angsterfüllt Richtung Himmel blickt, leidete an dieser seltenen Phobie.

6. Clinophobie: Das kuschelige eigene Bett ist für Leute, die daran leiden, der pure Horror.

7. Alliumphobie: Nicht nur Vampire ergreifen vor Knoblauch die Flucht. Auch einige Menschen haben Angst vor der Knolle.

8. Chrematophobie: Geldscheine anzuschauen oder gar in die Hand zu nehmen, ist für Betroffene dieser spezifischen Angst schwierig.

9. Bibliophobie: Nicht immer liegt es an Faulheit, wenn jemand wenig liest. Es gibt Menschen, die sich vor Büchern fürchten.

10. Koumpounophobie: In diesem Fall sind es Knöpfe, die manchen Zeitgenossen das Fürchten lehren

Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

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