Angst vor der Spendenflaute: Verein kämpft um jeden Euro

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Spontan fünf Euro spenden: Charity Watch rät davon ab.

Frankfurt – Leichenberge, traurige Kinderaugen, Leid, wohin das Auge schaut: Die Bilder aus Haiti schockieren die Welt. Spendenbüchsen, Briefe, Fernseh-Spots und auf Promi-Galas wird zu Spenden aufgerufen. Doch nicht immer ist das Geld sinnvoll investiert, wie Spenden-Experte Stefan Löpfinger berichtet. Viele Spender vergessen, dass es auch in der Nachbarschaft Vereine und Projekte gibt, die ohne Spenden nicht überleben können. Von Jennifer Dreher

Infos über den Verein Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt.

Auch Eva-Maria Hehlert vom Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“ bangt um ihre Projekte. „Wir spüren immer noch die Auswirkungen der Finanzkrise“, berichtet sie. Hehlert hat Angst, dass sich das Erdbeben Haiti ähnlich wie die Tsunami-Katastrophe in Südostasien 2004 auf die Finanzsituation des Vereins auswirkt. „Damals platzten im Januar 2005 fünf Firmen-Spenden und bis April hatten wir kaum Einnahmen“, erinnert sie sich.

Eva-Maria Hehlert

Der Verein, der 1983 von betroffenen Eltern gegründet wurde, unterstützt krebskranke Kinder und ihre Familien in allen Lebensbereichen, finanziert Erzieher, Ärzte und Pfleger an der Uniklinik Frankfurt.
„Wir wollen keine Werbung machen, um an Spenden zu kommen“, sagt Hehlert. „Ein kahlköpfiges Kind zu zeigen, nur, um Mitleid zu erwecken, kommt für uns nicht in Frage.“ Sie wolle auch niemandem vorschreiben, was er mit seinem Geld macht, aber man sollte die Organisationen in der Rhein-Main-Region nicht vergessen.

Schwierige Zeiten für wohltätige Vereine

Leichter fällt es denen, die bundesweit bekannt sind und mit großen Unternehmen zusammenarbeiten, wie „Die Arche“, die am Montag eine Einrichtung in Frankfurt eröffnet hat. „Das Projekt in Frankfurt ist finanziell für die nächsten drei bis fünf Jahre gesichert“, sagt Pressesprecher Wolfgang Büscher. Trotzdem seien es aufgrund der wirtschaftlichen Situation schwere Zeiten für Vereine, die auf Spenden angewiesen sind.

Hilfe, die ankommt: Essensverteilung am Montag in Haiti.

Bundesweit sammeln, laut Loipfinger, 50.000 Vereine aktiv Spenden. Allein 50 Organisationen sammeln aktuell für Haiti. Stefan Loipfinger ist Betreiber des Internet-Spendenportals Charitywatch.de und entlarvt auf seiner Seite die betrügerischen Webseiten und Spendenkampagnen.

Vorsicht: Es gibt Betrügerische Spendensammler

Er warnt: „Man sollte nicht emotional spenden.“ Denn es gäbe unter den Guten auch viele Betrüger, die das Mitleid der Menschen ausnutzen, um an ihr Geld zu kommen. Bedürftige sehen von diesem Geld häufig nichts. Eine Spende sei nicht immer sinnvoll.

„Am besten ist es, sein Geld den Organisationen zu spenden, die schon vor dem Erdbeben in Haiti aktiv waren. Sie wissen, wie die Gegebenheiten vor Ort sind und was die Menschen wirklich brauchen“, rät Loipfinger. Wer will, dass das Geld Bedürftige erreicht, solle sich die Zeit nehmen, um zu prüfen, wie seriös ein Projekt ist.

So spenden Sie richtig:

  •  Ein seriöser Verein gibt Auskunft über die Verwendung der Finanzmittel. Lassen Sie sich einen Jahresbericht zuschicken.
  •  Geben Sie den Namen der Organisation, für die Sie Spenden wollen in eine Suchmaschine ein. Dort finden Sie gegebenenfalls Warnungen.
  •  Spenden Sie nicht per SMS oder bar. Überweisen Sie den Betrag und lassen Sie sich eine Quittung ausstellen.
  •  Machen Sie sich klar, wofür Sie spenden wollen. Soll es beispielsweise um medizinische Hilfe gehen oder wollen Sie pädagogische Projekte unterstützen.

Weitere Tipps und eine Liste empfehlenswerter Vereine unter charitywatch.com

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