Impfquote sinkt rapide

Kurios: Angst vor Impfung größer als vor Krankheiten

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Symbolbild

Region Rhein-Main – Weil immer mehr Menschen todbringende Infektionen wie den Wundstarrkrampf (Tetanus), Diptherie oder Masern kaum noch kennen, steigt eher die Furcht vor möglichen Nebenwirkungen der Schutzimpfungen. Unterschätzt wird auch Pertussis: Der Keuchhusten. Von Norman Körtge

Kinder müssen sich um ihre Schutzimpfungen keine Sorgen machen. Darum kümmern sich in aller Regel die fürsorglichen Eltern und dank der regelmäßigen Kindervorsorgeuntersuchungen auch der beratende Kinderarzt.

Anders sieht’s im Erwachsenenalter aus. Da ist jeder für sich selbst verantwortlich. Und die Impfquote sinkt rapide. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat den Impfstatus der Erwachsenen in Deutschland stichprobenartig untersucht und jüngst die Ergebnisse präsentiert. Demnach ist der Tetanus- und Diphterhiestatus zwar besser als vor zehn Jahren. Aber immer noch haben 28,6 Prozent in den letzten zehn Jahren keine Tetanus-Impfung bekommen und sogar 42,9 Prozent keine Diphtherieimpfung erhalten. Noch schlechter sieht es bei Pertussis aus, dem Keuchhusten. Nur 11,8 Prozent der Frauen und 9,4 Prozent der Männer haben dagegen in den vergangenen zehn Jahren eine Schutzimpfung bekommen.

Nur 11,8 Prozent der Frauen und 9,4 Prozent der Männer haben Schutzimpfung

„Viele halten Keuchhusten fälschlicherweise für eine reine Kinderkrankheit“, berichtet Kinderärztin Eike Bösenberg aus dem Frankfurter Ärztezentrum der Techniker Krankenkasse. Dabei lassen die als Kind erhaltenen Schutzimpfungen nach einigen Jahren nach. Daten aus den neuen Bundesländern, in denen Keuchhusten – im Gegensatz zu Hessen – zu den meldepflichtigen Krankheiten zählt, zeigen: 1995 lag das Durchschnittsalter der Betroffenen bei 15,1 Jahren. 2008 lag es bereits bei 41,7 Jahren.

„Keuchhusten ist zunehmend ein Problem“, bestätigt auch Ursel Heudorf, stellvertretende Amtsleiterin im Frankfurter Gesundheitsamt. Die durch Tröpfcheninfektion übertragene und hochansteckende Krankheit – die sich durch heftiges Husten bis hin zu würgen oder gar erbrechen auszeichnet – dauere Wochen bis Monate an. Wenn sie zu spät diagnostiziert wird, muss Keuchhusten ohne Medikamente ausheilen.

Deshalb hält sich Heudorf auch an die von der Ständigen Impfkommission des RKI ausgebenen Empfehlung, dass Erwachsene bei der nächsten fälligen Impfung gegen Tetanus und Diphtherie mit dem Dreifach-Kombinationsimpfstoff Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten geimpft werden.

Nebenwirkungen seien extrem selten

Auch Heudorf kennt das im RKI-Report erwähnte Phänomen, dass durch niedrige Krankheitszahlen befürchtete Nebenwirkungen durch Impfungen stärker wahrgenommen werden. „Dabei sind Nebenwirkungen extrem selten und stehen in keinem Verhältnis zu den möglicherweise schweren Verläufen der Krankheiten“, so Heudorf. Noch während ihrer Ausbildung sah sie Kinder an den Folgen von Masern sterben.

Alle Impfempfehlungen im Internet unter www.rki.de.

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