Am Anfang war die Rübe:  Wie Hexen Halloween feiern

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Ihre Ahnen will Hexe Cornelia Bayer an Halloween rufen.

Region Rhein-Main – Kinder mit Gummi-Gruselmasken ziehen jetzt wieder von Haus zu Haus.  Bald ist Halloween. Doch das echte Heidenfest feiern die Hexen und Druiden versteckt in den Tiefen der Wälder rund um Frankfurt. Und laden dazu echte Geister ein. Von Christian Reinartz

So sehen echte Halloween-Fratzen aus. Ursprünglich wurden die gruseligen Gesichter nämlich in Futterrüben und nicht in Kürbisse geschnitzt. 

Am Anfang war die Rübe. Nicht der Kürbis. „Den gibt’s nur, weil die in Amerika mehr davon haben. Die eigentliche Fratze wird in eine Futterrübe geschnitzt.“ Das ist aber nur eines der Missverständnisse, das Cornelia Bayer immer wieder versucht auszuräumen. „Aber gegen diese Halloween-Vermarktungs-Maschine kommt keiner an.“

Sie bezeichnet sich selbst als echte Hexe und feiert Halloween so, wie es schon die frühen Kelten und Germanen gefeiert haben sollen. Sie bezeichnet das Gruselfest im Herbst nämlich traditionell als „Samhain“ (ausgesprochen „Souenn“). „Samhain war schon immer der Tag, der Sommer und Winter voneinander trennt“, sagt Cornelia Bayer. Bei den Kelten habe man nur diese zwei Jahrszeiten gehabt. Zudem hätten die Vorfahren das Jahr in dreizehn Mondmonate unterteilt. Samhain dürfte deshalb eigentlich gar kein fixes Datum nach dem heutigen Kalender haben, denn die Mondphasen variieren. „In der Regel liegt dieser Zeitpunkt Anfang November“, sagt Bayer. Dennoch sei es völlig in Ordnung, Halloween am 31. Oktober zu feiern. „Viele Hexen und Druiden machen das so“, erklärt sie. „Ich selber aber nicht.“ Eigentlich gehe es gar nicht um ein genaues Datum, sondern um eine kurze Zeitspanne im Herbst. „Eine Zeit, in der der Schleier zur Anderswelt besonders dünn ist“, sagt Bayer. So dünn, dass die Seelen der Ahnen hindurchschlüpfen und auf der Erde wandeln könnten.

"Echte Geister werden zu Halloween gar nicht wahrgenommen"

Darin liegt auch der Ursprung für die heutigen Horror-Orgien, die auf zig Halloween-Partys veranstaltet werden. Und auch im Fernsehen beherrschen zur Zeit Grusel-Filme das Programm. „Dabei werden die echten Geister in der Halloween-Zeit vor lauter Gruselmasken gar nicht wahrgenommen“, sagt Bayer. Diese seien nämlich kaum auszumachen. Oft könnten sie nur in sogenannten schwarzen Spiegeln entdeckt werden. Das sind die Spiegelbilder, die auf Fensterscheiben entstehen, wenn es draußen dunkel und innen hell ist.

Sie nimmt Kontakt zu ihren Ahnen auf

Um Kontakt mit ihren Ahnen aufzunehmen und den dünnen Schleier zu durchbrechen versammelt sie sich mit ihren Hexen-Kolleginnen und einigen Druiden an Samhain an einem geheimen Kultplatz inmitten der Wälder rund um Frankfurt. In einem Ritual ruft sie dort dann die Geister der Ahnen und die Göttin des Todes an, die bei den Kelten Morrígan und den Germanen Hel heißt. „Aber wir machen da kein Tischerücken oder sowas. Und es fängt auch keiner an, mit veränderter Horror-Stimme zu sprechen“, stellt Bayer klar. „Jeder erlebt den Kontakt zu den Ahnen vor seinem geistigen Auge“, erklärt sie. „Das kann im Grunde jeder. Nur, wenn man geschult ist wie wir Hexen, funktioniert das besser.“ Sind die Geister dann am Kultplatz in Erscheinung getreten, können die Feiernden ihre Ahnen etwa um Hilfestellung im echten Leben bitten oder sich bedanken. „Danach sind alle ziemlich aufgekratzt und wir setzen uns zusammen, trinken und essen gemeinsam, um uns wieder zu erden“, sagt Bayer: „Sonst bleibt man in der spirituellen Welt stecken.“

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