Allrad-Pit steuert den Gentleman-Express

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Peter Schmidt und sein Jensen Interceptor Mark III.

Dieburg – Peter Schmidt hat ein besonderes Schmuckstück in der Garage: Der 60-jährige Dieburger fährt einen Jensen Interceptor Mark III von 1972.  Von seiner Sorte gibt es in Deutschland nur 120 Stück. Mit 300 PS unter der Haube startet Schmidt 2012 bei den schönsten Oldtimer-Rallyes der Region.Von Jens Dörr

Peter Schmidt, das merkt man gleich, könnte wohl stundenlang über seine Leidenschaft sprechen. Langweilig würde das nicht, tut er das doch mit genau jenem Enthusiasmus, der Unwissende schnell gefangen nimmt und für das interessiert, was Schmidt selbst begeistert. Längere Zeit galt seine – aufs Automobil bezogene – Liebe einem Triumph Spitfire MK IV mit 63 PS und Baujahr 1972. Den fährt nun seine Tochter Danja, die wie ihr Vater an Rallyes teilnimmt. Schmidt fährt nun mit fünfmal so vielen Pferdestärken durch die Landschaft, hat sich das rund 25.000 Euro kosten lassen. Geschätzt, denn ganz exakt lässt sich Schmidt den Preis für den Jensen mit Note zwei (praktisch neuwertig) nicht entlocken.

Seine Frau habe ihn beim Kauf jedenfalls bestärkt, lächelt der Dieburger. Vielleicht auch, weil er sagt: „Das Fahren mit dem Auto ist wie Therapie für mich.“ Bis zu 220 Sachen fährt der Jensen, „beschleunigt wie verrückt, ist trotz der Power so leise“, schwärmt „Allrad-Pit“, wie er sich mit Blick auf sein Hobby ganz cool auch mal selber nennt. Angeschafft hat er sich das Kultauto im Oktober 2010.

Italo-Design und US-Motoren

Vergangenes Jahr wurde die Marke 75 Jahre alt, zugleich feierte der „Jensen Owner’s Club“ das 40-jährige Bestehen. Für den Dieburger Nebensache, doch geschichtlich kennt er sich bestens aus mit der Marke: „Dänische Brüder haben sie 1936 in England gegründet. Produziert wurde in Manufakturen mit viel Handarbeit, deshalb die geringen Stückzahlen.“

Neben der englischen Handwerkskunst rundeten das Italo-Design und die amerikanische Großmotorentechnik den Jensen ab. In Schmidts Wagen sind die USA nach wie vor vertreten: Der 7,2-Liter-Motor ist von Chrysler. Der Interceptor Mark III verfügt über eine Drei-Gang-Automatik-Schaltung, ebenfalls von Chrysler. So vermag der coole Kapitän den „Gentleman-Express“ – wie mancher Szenefreund den Jensen nennt – auch kommod zu lenken.

Im Jensen wird Schmidt in diesem Jahr des Öfteren besonders konzentriert unterwegs sein: Mit Beifahrer Reiner Sinnigsohn („Der Beifahrer ist bei den Touren fast noch wichtiger als der Fahrer“) fährt er bei Rallyes wie den „Nibelungen“ (mit Station in Dieburg), der „Königstein Classic“ und der „Kahlgrund Classic“ mit. Dabei gilt es nicht nur Routen zu finden, sondern auch beispielsweise die so genannten Gleichmäßigkeitsprüfungen zu bewältigen: Den Teilnehmern wird die Länge einer Strecke mitgeteilt und die erwartete Zeit vorgegeben. Die Messung erfolgt dann per Lichtschranke – das Ende der Strecke ist allerdings nicht zu sehen. Da sind Fahrgefühl und gute Zusammenarbeit zwischen Fahrer und Beifahrer gefordert.

Neben dem Jensen besitzt der Dieburger Peter Schmidt noch einen VW-Porsche 914 aus dem Jahr 1973. Bei den Rallyes dürfte aber der Jensen Interceptor Mark III zum Einsatz kommen. Nur dessen Spritverbrauch sollte man verschweigen: Mindestens 22 Liter auf 100 Kilometer. Wenn er auch nur wenig gefahren werde, wie der Dieburger versichert.

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