Deutsche Einzelmeisterin in Kegeln

Alina Dollheimer macht immer alle Neune!

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Alina Dollheimer aus Münster ist Deutsche Einzelmeisterin in Kegeln.

Münster – Alle Neune. Als Deutsche Einzelmeisterin im Kegeln hört Alina Dollheimer diesen Ausruf wesentlich öfter als andere. Sie verrät dem EXTRA TIPP, warum sie sich als kastrierte Deutsche Meisterin sieht und welchen Vorteil Kegel-Männer haben. Von Jens Dörr

Deutscher Mannschaftsmeister mit den Bundesliga-Frauen des KSC Mörfelden war Alina Dollheimer schon mehrfach. Dass sie im ersten Jahr bei den Frauen als 24-jähriger Jungspund vor wenigen Wochen auf Anhieb aber auch Deutsche Einzelmeisterin im Kegeln wurde, war eine satte Überraschung. Einerseits ein schöner Triumph, andererseits einer mit Wermutstropfen: „Ich bin eigentlich eine kastrierte Deutsche Meisterin“, sagt das Ass. Dollheimer, förmlich aufgewachsen auf den Bahnen ihres Heimatvereins DJK Blau-Weiß Münster, spielt damit auf die Spaltung der deutschen Kegelszene in zwei Lager an. Einerseits gibt es die Deutsche Classic Union, kurz DCU. In ihren Wettkämpfen tritt auch Dollheimer an. Außerdem existiert der Deutsche Keglerbund Classic (DKBC), dem noch etwas mehr Spieler als der DCU angehören. Über ihnen ist die Sportart landesweit außerdem im Dachverband HKBV (Hessischer Kegler- und Bowling-Verband) organisiert. Die Unterschiede zwischen DCU und DKBC liegen im Wurfsystem begründet. So stehen die DCU und Dollheimer für das klassische System mit 100 oder 200 Würfen pro Begegnung. Bei den 100 Wurf pro Durchgang bei den Deutschen Meisterschaften der DCU musste die Münstererin etwa zunächst 25 Würfe in die Vollen absolvieren. Alle Neune wurden dabei direkt wieder aufgestellt. Und bei den weiteren 75 Versuchen bis zur freien Bahn abräumen.

Gerade im Abräumen sicherte sich Dollheimer auf dem Weg zum Titel den entscheidenden Vorsprung auf die Konkurrentinnen. Theoretisch sind in einem Spiel mit 100 Würfen 900 Punkte möglich. Der deutsche Rekord bei den Frauen liegt bei 566 Punkten. In den beiden DM-Durchgängen holte Dollheimer 494 beziehungsweise 500 „Holz“. Die stärksten Männer erzielen noch bessere Werte, „sie haben Hebelvorteile“, erläutert die Meisterin.

Die Faszination ihres Sports sei die Suche nach dem perfekten Wurf, besser: Die Suche nach den perfekten Würfen. „Mein Ziel ist es immer, so viele genau gleiche Würfe nacheinander zu machen wie möglich“, verrät die 24-Jährige. Während es bei der Kauffrau für Bürokommunikation sportlich bestens läuft, macht sich Dollheimer allerdings kritische Gedanken über die generelle Entwicklung ihrer Sportart. Dass sie mit ihren Spitzenleistungen in Mörfelden nichts verdiene, sei weniger tragisch, obgleich „bei Vereinen in der DKBC-Bundesliga schon mal ein gebrauchter Opel rausspringen“ könne. Ärgerlicher: In Deutschland gebe es zwar weltweit gesehen die meisten organisierten Kegler. „In Sachen Leistungsstärke sind wir aber nicht mehr der führende Verband, hier liegen Serbien und Ungarn sowie bei den Frauen auch Slowenien vorn.“ Außerdem kämpfe man mit einem hohen Durchschnittsalter der Spieler, sagt Alina Dollheimer, deren Eltern Beate und Hans-Peter dem Sport ebenso verfallen sind und die das Kegeln bei der DJK Münster seit einem Vierteljahrhundert maßgeblich fördern. Unter anderem mit dem Bau von vier neuen Bahnen.

Am 5. September feiern die Münsterer Kegler das 25-jährige Bestehen ihrer Abteilung mit einem außergewöhnlichen Vergleich: Es treffen die Erstligisten des KSC Mörfelden und des SKC Victoria Bamberg aufeinander. Beide Vereine gehören normalerweise den getrennten Strukturen an. Zumindest beim Freundschaftskampf in Münster sind die auch zur Freude von Alina Dollheimer vorübergehend zu den Akten gelegt.

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