Diese Akten werden nie geschlossen

Das sind die Vermisstenfälle in Rhein-Main

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Oft bleibt nur noch ein Bild übrig, wenn Menschen plötzlich aus dem Leben ihrer Lieben verschwinden – und die Ungewissheit.

Region Rhein-Main – Vermisstenfälle sind tragisch, manchmal mysteriös und bewegen immer wieder aufs Neue das Rhein-Main Gebiet. Hinter jedem verschwundenen Menschen verbirgt sich eine eigene Geschichte. Die Polizei legt ungeklärte Suchmeldungen niemals zu den Akten. Von Dirk Beutel 

Hat das Schicksal zugeschlagen? Gab es einen Unfall? War es eine Gewalttat? Es gibt viele Gründe, warum ein Mensch plötzlich und ohne jede Spur verschwindet. Nach Angaben des Landeskriminalamtes werden etwa die Hälfte aller Fälle innerhalb einer Woche wieder aufgeklärt. Jugendliche Ausreißer stellen den größten Anteil der Vermissten. „Es werden immer wieder Personen als vermisst gemeldet. In den meisten Fällen kehren sie nach wenigen Tagen aber wieder in ihr gewohntes Umfeld zurück. Bei vielen Langzeitvermissten liegt aber kein Gewaltverbrechen vor, vielmehr verlassen diese Personen ihren alten Lebensraum freiwillig“, sagt Virginie Wegner vom Polizeipräsidium Fankfurt.

Zurück bleiben jedoch immer die Angehörigen. Alleine, ratlos, voller Angst und gepeinigt vom Schmerz der Ungewissheit. So wie Ahmed Amezzu. Der 62-jährige Wirt der Radeberger Stubb am Offenbacher Wilhelmsplatz vermisst seit Ostermontag seine Lebensgefährtin Barbara Rothe. Von der mittlerweile 71-Jährigen fehlt bis heute jede Spur. Niemand weiß, was ihr passiert sein könnte. Nicht selten steckt hinter solchen Fällen ein Gewaltverbrechen. So wie etwa im Fall Harry und Sieglinde Klock aus Maintal. Das Ehepaar wurde wochenlang vermisst. Dann findet die Polizei Blutspritzer von den vermissten Maintalern auf einem Anwesen der Beiden. Dort wohnten zuletzt zwei Mieter der Eheleute. Sie werden verdächtigt, etwas mit ihrem Verschwinden zu tun zu haben und sitzen in Untersuchungshaft. Die mutmaßlichen Täter, ein 59-jähriger Mann und sein 29-jähriger Sohn, schweigen zu den Vorwürfen. Von den Leichnamen fehlt weiter jede Spur.

Jeder Fall ist ernst

Eine Person gilt immer dann als vermisst, wenn sie aus unerklärlichen Gründen von ihrem gewohnten Aufenthaltsort fern bleibt. „Wir nehmen jeden Fall ernst. Die Polizei leitet eine Fahndung ein, sobald eine Person ihr gewohntes Lebensumfeld verlassen hat, ihr derzeitiger Aufenthalt unbekannt ist und eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden kann“, sagt Andreas Beese, von der Polizeidirektion Main-Taunus. Er erinnert sich besonders an einen Fall, der den Ermittlern bis heute nicht aus dem Kopf geht und der sich am 10. September zum achtzehnten Mal gejährt hat: Das Verschwinden von Annika Seidel aus Kelkheim. Die damals Elfjährige wollte für ihren Hund ein Flohhalsband in einem Zoofachgeschäft besorgen. Zuhause kam sie nie an. Die Ermittler vermuten, dass das Mädchen einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist. Zeugen wollen Annika Seidel an einem Auto mit eventuell osteuropäischem Kennzeichen gesehen haben, in der Nähe des Restaurants Gimbacher Hof zwischen Kelkheim und Fischbach. Mittlerweile ist Annikas Mutter gestorben, doch die Ermittler haben den Fall nicht abgeschlossen.

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Traurige Gewissheit haben hingegen die Angehörigen des seit März 2011 vermissten Max Weil aus Zeilsheim. Der damals 22-Jährige, der an der Berufsakademie Gera studierte, ist tot. Seine Überreste wurden in der tschechischen Region Decin-Maxicky gefunden.

Und es gibt noch weitere Vermisstenfälle, die ungeklärt sind: Wie den der 83-jährigen Helene Annemarie Gundlach. Die Frankfurterin wird seit dem 12. Dezember 2013 vermisst. Ihre Wohnung in Sachsenhausen hat sie spurlos verlassen. Oder Karl Kalliwoda aus Münster. Seit dem 14. September 2011 sucht die Polizei nach dem 89 Jahre alten Rentner. Er verließ gegen elf Uhr seine Wohnung in der Steinstraße und ist seitdem wie vom Erdboden verschwunden. „Manchmal ist es schon frustrierend, wenn sich keine neuen Erkenntnisse ergeben. Aber wir geben niemanden auf“, sagt Andreas Beese.

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