Protest gegen Geschenke-Rausch

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Tatjana und Melody von Bikinirama vermöbeln einen Designerstuhl.

Offenbach – Einmal das Apple Mac Book mit dem Hammer zertrümmern, die neue Rolex mit der Säge bearbeiten? Einfach so richtig ausrasten? Durchdrehen und alles kaputt hauen? Zehn Offenbacherinnen im Bikini zertrümmern alles, was ihnen in die Quere kommt und protestieren damit pünktlich zu Beginn der Adventszeit gegen Statussymbole und Kommerz. Von Mareike Palmy

Es ist soweit: Der alljährliche Weihnachtswahnsinn beginnt. Doch nicht alle machen mit beim organisierten Konsumterror: „Bikinirama“, eine Performancegruppe aus Offenbach, die getreu dem Rio Reiser Klassiker „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ gegen Konsum und Markenwahn protestiert, leisten dem Weihnachtstrubel Widerstand.

Aggression mit Sexappeal

Tatjana und Melody machen kurzen Prozess mit dem Konsumteror.

Bereits seit fünf Jahren toben sich „Bikinirama“ an Gütern der Überflussgesellschaft aus. Anfangs nur auf der eigenen Homepage, mittlerweile prügeln sie sich durch ganz Deutschland. Das Ganze sieht dann so aus, dass neue Hifi-Geräte mit der Kettensäge bearbeitet oder Sex-Puppen mit der Gartenschere malträtiert werden. „Schluss mit dem Konsumwahn“, fordern die „Bikinirama“-Amazonen, die nebenbei ganz friedliche Jobs haben. „Das ist Kunstfreiheit“, rechtfertigt Ideengeberin Lily Rigid die Trümmerei. Und die Aktionskünstlerinnen von „Bikinirama“ haben sichtlich Spaß an den Zerstörungsorgien: „Das ist wie eine Form von Therapie, wenn man ausrasten kann und draufhaut“, erklärt Rigid die rohe Gewalt der Amazonen. Der Bikini dient dabei der Ästhetik. „Wir wollen nicht ordinär wirken.

So sexy kann Protest sein

Der Bikini ist dabei ein Symbol von Weiblichkeit und steht gegen die Nacktheit“, so Lily Rigid. Die öffentliche Live-Zerstörung sorgt auch immer wieder für Aufregung der Zuschauer. Schockierte Blicke sind die Regel. „Wir schlagen dort hin, wo es am meisten weh tut“, sagt Rigid.

Besonders Weihnachten könne mittlerweile fast als „Erfindung der Konsumgüterindustrie“ gelten, meinen „Bikinirama“. Das bietet Potenzial für die Aktionskünstlerinnen. Bei ihrer Weihnachtsaktion am Sonntag, 5. Dezember, in Hamburg wird es auch wieder zerstörerisch zugehen: „Wir wollen zeigen, dass materielle Güter als Ikonen der Konsumgesellschaft nicht taugen“, erklärt Rigid ihr Vorhaben.

Auch die Amazonen gehen Einkaufen

Weihnachten für die Augen: Sexy Protest gegen Konsum und Kommerz.

So ganz können sich aber auch die Amazonen nicht dem Weihnachtstrubel verweigern. „Wir gehen auch shoppen und zählen dann wie alle anderen zur konsumverblendeten Gesellschaft“, verrät Rigid.Ausrasten, gefällig? Durchdrehen und alles kaputt hauen? Zehn Offenbacherinnen im Bikini zertrümmern alles, was ihnen in die Quere kommt und protestieren damit pünktlich zur Adventszeit gegen Statussymbole und Kommerz. Von Mareike Palmy

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