Entwicklungshelfer am Hindukusch

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Karl-Heinz Schmierer-Schmidt zeigt auf einen seiner Einsatzorte in Afghanistan, wo er ein Rosenanbauprojekt betreut hat und sich nur mit einheimischen Fahrern bewegen konnte.

Frankfurt – Während die Welt momentan auf Haiti schaut, blickt Karl-Heinz Schmierer-Schmidt gespannt auf London, wo am Donnerstag die Afghanistan-Konferenz stattfindet. Der freiberufliche Berater und Bankfachmann half mehrere Monate am Hindukusch und kennt die Herausforderungen des Landes. Von Andreas Einbock

Buchhalter ausbilden, Fahrt- und Telefonkosten überprüfen und Straßenprojekte begleiten: Was einfach klingt, ist in Afghanistan eine Anstrengung. Obwohl er seit Ende der 80er Jahre als Projektleiter in der Administration unter anderem in Sambia, Bolivien, Türkei und Nicaragua arbeitete, sei das Land am Hindukusch eine Herausforderung gewesen. „Ich habe afghanische Mitarbeiter für die korrekte Buchhaltung und für langfristiges Planen sensibilisiert“, beschreibt der 59-Jährige seine Aufgaben als Berater für die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) in Faizabad, Kunduz, Kabul und für die Welthungerhilfe in Jalalabad. Mit seiner Hilfe entstehen Strom- und Wasserkraftwerke, Straßen und eine landwirtschaftliche Infrastruktur.Davon konnte er an seinem ersten Tag im Juni 2008 nicht viel sehen: „Ich war geschockt, als ich im Auto in die Innenstadt gefahren wurde und die Gebäude mit hohen Mauern und Schießscharten mit herausschauenden Maschinengewehren sah“. Erst als er eine Woche mit unruhigem Schlaf in einem menschenleeren Gästehaus einer Hilfsorganisation überstanden hatte, legte sich seine Angst. „Dennoch war ich froh, einen Pass der internationalen Schutztruppe zu haben. Der ist wie ein Schutzbrief und mehr wert als jeder Reisepass.“Drei Monaten in den Provinzen Badakhshan und Kundus im Norden und einem Monat in Uruzgan im Süden folgte im Frühjahr 2009 ein dreimonatiger Einsatz im Projekt „Rosen für Nangarhar“. Zwar verbrachte Schmierer-Schmidt die meiste Zeit im Büro, dennoch weiß er, wie wichtig Einfühlungsvermögen in die Nöte der Bauern ist: „Man kann nicht mit der Waffe in der Hand kommen und die Menschen zum Anbau von Rosen statt Schlafmohn zwingen.“ Auch wenn Rosen leichter anzubauen seien und 5000 Euro für einen Liter Rosenöl bezahlt würden, sei viel Überzeugungsarbeit notwendig. „Da helfen natürlich eindeutige Zahlen und eine gute Buchhaltung.“Die wollen auch die deutschen Geldgeber, wie das Verteidigungs-, Außen- und Entwicklungsministerium, sehen. „Im Prinzip schaue ich auch für die deutschen Steuerzahler, dass ihre Gelder effizient eingesetzt werden.“ Schmierer-Schmidt ist sicher, dass Afghanistan auf einem guten Weg ist. „Beeindruckt hat mich die Motivation, Flexibilität und die geistige Mobilität der Menschen. Aber nach 50 Jahren Instabilität braucht es seine Zeit, um zur Normalität zu finden.“ Einen Schritt in diese Richtung erhofft er sich von der Konferenz: „Ich wünsche mir, dass die Regierungschefs stärker auf die wirtschaftliche Entwicklung schauen.“

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