So ein hohes Gebäude wurde in Europa noch nicht gesprengt

Ade, AfE: So will der Sprengmeister den Frankfurter Uni-Turm platt machen

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Sprengmeister Eduard Reisch sprengt den AfE-Turm der Goethe-Uni in Frankfurt.

Frankfurt – 116,5 Meter hoch ist der AfE-Turm in Frankfurt. Am 2. Februar wird er gesprengt. Eine echte Herausforderung. Denn so ein hohes Gebäude wurde in Europa noch nie in die Luft gejagt. Von Norman Koertge

„Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie“, stellt Eduard Reisch  klar. Aber der Sprengmeister schiebt schnell nach, dass er zu mehr als 99 Prozent davon ausgehe, dass am Sonntag, 2. Februar, alles so läuft, wie er es geplant hat. Dann wird er auf dem Dach des Marriott-Hotels an der Frankfurter Messe sein und auf den in 136 Metern Entfernung stehenden AfE-Turm – AfE steht für Abteilung für Erziehungswissenschaft – blicken. Um zehn Uhr will er den 116,5 Meter hohen Betonklotz mit etwa 950 Kilo Sprengstoff in die Luft sprengen. Gemessen vom Fundamentboden aus kommt das Gebäude an Ecke Robert-Mayer-Straße/Senckenberganlage auf 127 Meter und gilt damit als höchstes Sprengobjekt Europas.

Dichte Bebauuung stellt Problem dar

Der AfE-Turm in Frankfurt.

Doch nicht nur die Höhe ist für Reisch die Herausforderung. „Wenn man oben auf dem Turm steht und runter schaut, merkt man erst, wie dicht die Bebauung drum herum ist“, berichtet der Sprengmeister. Aber weder die U-Bahnröhren in nur 40 Meter Entfernung unter der Senckenberganlage noch die nur einen Steinwurf entfernten angrenzenden Uni-Gebäude sollen beschädigt werden.

Reisch vertraut seiner Sprengtechnik: Erst wird das aus 90 mal 90 Zentimeter breiten Betonstelen bestehende Außenskelett gesprengt werden und dadurch vertikal kollabieren. 3,5 Sekunden später zünden die Sprengladungen im Inneren. Wenn sich dann der Staub gelichtet hat, soll nur noch ein Schuttberg aus 50.000 Tonnen Stahl und Beton übrig sein.

Rund um den Turm wird am Sprengtag eine Sperrzone mit einem 135-Meter-Radius eingerichtet sein. Ab acht Uhr darf hier kein Unbefugter mehr rein. In einer weiteren Sperrzone – bis 250 Meter rund um den Turm – ist ab 9.30 Uhr der Aufenthalt im Freien – auch auf Balkonen – verboten. Schaulustige dürften den besten Blick vom Messe-Kreisel aus beziehungsweise von der Bockenheimer Warte aus haben.

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