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Die AfD: Auch ein Aufschrei aus der Mitte

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Die AfD, eine Laune in der Parteien-Geschichte. Wieder weg, wenn sich die Flüchtlingszahlen reduzieren. Das ist der allgemeine Tenor, wenn’s um die Analyse und die Zukunft der AfD geht. Doch da wird ein wichtiger Aspekt ausgeblendet. Ein Kommentar von Axel Grysczyk

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Die Situation der AfD wird immer wieder mit der der Republikaner Anfang der 90er Jahre verglichen. Damals gab es auch hohe Flüchtlingszahlen wegen des Jugoslawien-Krieges, zudem hatte die Wiedervereinigung viele Menschen vor neue Herausforderungen gestellt. Asylantenheime wurden angezündet, Menschen kamen ums Leben.
Als sich die Lage beruhigte, verschwanden die Republikaner – die ähnlich wie AfD damals auch zweistellige Zahlen bei den Wahlen erreichten – wieder aus den Parlamenten. Der Unterschied ist aber, dass die Wähler der AfD diesmal auch aus der Mitte der Gesellschaft kommen. Es ist kein Spagat mehr, einen angesehenen Beruf auszuüben, sich im Stadtteil zu engagieren und sonntags AfD zu wählen. Und es gibt keinen Aufschrei mehr, wenn jemand beim abendlichen Zusammensein diffamiert oder hetzt. Damals in den 90ern gab es viele Künstler, die gegen rechtspopulistische Politik mobil gemacht haben, bestes Beispiel waren die „Rock-gegen-Rechts-Konzerte“. Heute gibt es erhobene Zeigefinger, mehr nicht. Und das Mantra, dass die AfD schon wieder verschwinden wird.

Die AfD ist vielmehr ein Sammelbecken derjenigen, die das Gefühl haben, dass ihre Meinung, ihr Weltbild durch die etablierten Parteien nicht mehr repräsentiert werden. Und da wird es nach den Flüchtlingen noch anderen Themen geben.

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Axel Grysczyk

Axel Grysczyk

E-Mail:axel.grysczyk@extratipp.com

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