Ärzte ohne Doktortitel

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Henrike Knedel operiert einen Teddy.

Frankfurt – Sie operieren Beine, Arme und Löcher im Kopf. Selbst komplizierte Transplantationen übernehmen sie. Das alles ganz ohne Studium und Doktortitel. Henrike und Ralf Knedel aus Bonames behandeln Patienten aus Porzellan, Celluloid, Holz, Stoff und Wachs. Seit über 30 Jahren kuriert das Ehepaar schon Puppen und Teddys gesund. Von Mareike Palmy

Hunderte Kulleraugen stehen in einer Kiste auf der Werkbank. An der Wand hängen Zangen und Scheren. Farbe, Pinsel, Lacke und Öle stehen aufgereiht im Regal. Der Duft von Lösungsmittel steckt in der Tapete. Ein löchriger Porzellan-Kopf wartet auf dem Operationstisch auf Hilfe. „Hier kommt nix aus der Maschine. Alles wird per Hand restauriert“, sagt Ralf Knedel. Der ehemalige Augenoptiker ist für die technische Seite der Reparatur zuständig, seine Frau Henrike dagegen kümmert sich lieber um das Handarbeitliche. Mit Nadel und Faden bringt sie die Patienten wieder in ihren alten Zustand. Ob Wimpern, Haare, Kleider oder Schminke - die 67-Jährige hat das nötige ruhige chirurgische Händchen, um sich an diese Feinarbeit zu wagen.

Ohne Doktortitel operieren sie seit über 30 Jahren

Kurz vor der OP: Der Puppenkopf aus Porzellan muss restauriert werden.

Seit über 40 Jahren teilen die Knedels ihre Begeisterung für Antikes. „Uns fasziniert schon immer das Alte. Uhren, Möbel, Bilder, Kaffeekannen und jetzt die Puppen. Wir sammeln seit unserer Hochzeit Künstlerisches von früher“, erklärt Henrike Knedel.

Die Puppendocs am Operationstisch.

Natürlich restaurieren sie nicht nur ihre eigenen Puppen. Aus ganz Deutschland kommen die Patienten. Auch Frankfurter Kinder bringen ihr Spielzeug in der Klinik vorbei. Ohne Termin läuft da aber nichts.

Vor jeder Operation wird dann der Krankenstand geprüft. „Wir sind da sehr genau. Das Material muss stimmen. Schließlich restaurieren wir und kleistern nicht!“, sagt Ralf Knedel. Deshalb kennen sich beide auch bestens in der Puppenhistorie aus. Je älter die Puppe, desto leerer zum Beispiel der Gesichtsausdruck. „So etwas muss man wissen. Sonst verfälscht man das Original“, so Henrike Knedel. „Manchmal kann man aber auch nix mehr retten. Wir haben viele Ersatzteile, können gut reproduzieren, aber alles geht halt auch nicht“, weiß die Ex-Krankenschwester zu berichten. Nicht unbedingt, weil die antiken Puppen so teuer sind, sondern eben Liebhaberwert besitzen. „Wir sammeln aus Gefallen, nicht wegen des Wertes“, sagt auch Henrike Knedel.

Der größte Feind der Knedels: Die Motte

Ihre eigenen vier Kinder dagegen wollten nie mit Puppen spielen. Konnten mit den kaputten Dingern, die im ganzen Haus stehen, Bärbel, Käthe oder Auguste heißen, nichts anfangen.

Der größte Feind des Knedelschen` Hobbys ist allerdings die Motte: „Die Biester zerfressen mit Vorlieben die Puppenkleider und Teddys“, ärgert sich der 70-jährige Puppendoktor. Bis die Motten allerdings alle Puppen und Teddys zernagt haben, wird es noch eine Weile dauern.

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