Thema ist etwas aus dem Licht der Öffentlichkeit verschwunden

Der fast vergessene Kampf gegen Tierversuche

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Dieser Hamster muss für die Grundlagenforschung herhalten: Bei ihm wird eine Blutprobe aus einem Venengeflecht hinter dem Auge entnommen.
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Region Rhein-Main – Immer mehr Menschen trotzen der Massentierhaltung und setzen auf vegane Ernährung. Doch der Kampf gegen Tierversuche hat ziemlich an Fahrtwind verloren und scheint in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in Vergessenheit geraten zu sein. Von Dirk Beutel

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Offiziell will kaum ein industrielles Pharma- oder Chemie-Unternehmen etwas von Tierversuchen wissen. Auch Universitäten halten sich bei solchen Experimenten gerne bedeckt. Und wenn, versucht man nichts anderes als den Schein zu wahren, dass die zu Versuchszwecken gefangenen Tiere nicht gequält und artgerecht gehalten werden, heißt es vom Verein Ärzte gegen Tierversuche: „Kein Journalist bekommt tatsächlich einen Einblick in solche Versuchslabors“, sagt deren Sprecherin Silke Strittmatter. Und darin liegt das Hauptproblem derjenigen, die aktiv gegen Tierexperimente kämpfen, so wie am morgigen Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche: „Die Experimente sind geheim und für die Öffentlichkeit schwer zu greifen“, sagt Stephanie Kowalski. Sie ist Fachreferentin der Tierrechtsorganisation Peta. „Deshalb hat der Kampf gegen Tierversuche etwas an Fahrt verloren, obwohl sich zurzeit sehr viele Menschen aus ethischen Gründen für vegane Ernährung entscheiden.“Frankfurt nimmt einen unrühmlichen Spitzenplatz auf der Landkarte der Tierversuchsbrennpunkte in Deutschland ein. Unter anderem wegen der dort ansässigen Goethe-Universität wie Kowalski berichtet. „Dabei ist es ein Irrglaube, dass Tierversuche gemacht werden, um Operationstechniken, Medikamente oder Therapien für Menschen zu entwickeln“, ergänzt Strittmatter. „Ein großer Teil der Tiere wird für die Grundlagenforschung verwendet. Die Qual und der Tod der Tiere kommt keinem nachhaltigen Zweck zugute, sondern einzig der Forschungsneugier der Wissenschaftler.“ Makaber: Die Qualität der Forschung werde nicht daran gemessen, wie vielen Menschen durch Tierversuche geholfen werden konnte, sondern an der Anzahl der Publikationen in Fachzeitschriften. Daran orientiere sich die Höhe der Forschungsgelder.

Technische Alternativen sind längst möglich

Aber auch für die Lehre würde an Tieren experimentiert. „Dabei ist es technisch möglich, über menschliche Zellen, Computersimulationen und Biochips aussagekräftige Ergebnisse und Lerninhalte zu vermitteln“, sagt Strittmatter. In deutschen Versuchslaboren landeten nicht nur Ratten und Mäuse auf den Experimentiertischen, sondern vor allem auch Hunde, Katzen, Schweine und Kaninchen. Fast 2,8 Millionen Tiere sollen 2014 nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gestorben sein.

Doch die Dunkelziffer sei viel höher wie Strittmatter betont: „Darunter fallen gentechnisch produzierte Tiere, die getötet werden, wenn diese nicht den gewünschten Gen-Defekt aufweisen. Auch wirbellose Tiere, oder solche, die schon bei Zucht, Haltung und Transport sterben oder als Überschuss getötet werden, tauchen in der Statistik nicht auf.“ Zum Vergleich: Für ein genetisch manipuliertes Tier müssen etwa 54 Tiere sterben. Mehr noch: Nach Angaben des Ärztevereins bergen 95 Prozent aller an Tieren erfolgreich getesteten Medikamente ein unkalkulierbares Risiko in sich. Strittmatter: „Entweder sie versagen beim Menschen oder noch schlimmer: Man stirbt daran.“

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Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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