ein bis zwei Jahre geplant

Gustav-Heinemann-Schule in Dieburg: Sanierungs-Chaos bis 2028?

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Dieburg – 2014 feierte die Gustav-Heinemann-Schule (GHS) in Dieburg ihr 40-Jähriges auf einer Großbaustelle. Seit die Arbeiten vor acht Jahren begann, nimmt das Chaos seinen Lauf. Neuer Höhepunkt: Das Drama könnte sich bis 2028 hinziehen. Von Jens Dörr

Die Gustav-Heinemann-Schule legt ihren Förderschwerpunkt auf die geistige, körperliche und motorische Entwicklung von 100 Schülern im Alter von sechs bis 18 Jahren. Schon seit 2007 dauert die Sanierung der GHS an. Gesteuert wird der Bau durch das Da-Di-Werk, den Eigenbetrieb für Gebäude- und Umweltmanagement des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Die Chronologie des Sanierungs-Chaos: Statt eines Schulneubaus wurde 2007 und 2008 die GHS saniert, Fenster und Türen ausgetauscht. „Diese Vorgehensweise war auch mit der damaligen Schulleitung abgestimmt“, sagt Frank Horneff, Pressesprecher des Ladadi. Aber: „Wir sind im Schulleitungsteam damals von einer Bauzeit von anderthalb bis zwei Jahren ausgegangen.“ Die wollte man im Stammdomizil überbrücken. „Einen zeitweiligen Umzug hätten wir in Kauf genommen“, sagt Helma Hirth von der GHS. „Vom Landkreis haben wir die klare Auskunft gekriegt, dass es kein Ausweichgebäude gibt, das die speziellen Anforderungen unserer Schüler erfüllt.“

Längerer Baustillstand

Schüler und Lehrer blieben deshalb weiter an der GHS. 2009 wurden die ehemaligen Räume der Lebenshilfe in Klassenräume und ein WC umgebaut. Dies sorgte für Ärger: Eine Klasse musste in die benachbarte, für die GHS-Zwecke jedoch ungeeignete Landrat-Gruber-Schule umziehen. 2010 wurden die Brandschutzmaßnahmen realisiert, 2011 wurden weitere Klassenräume saniert. Umplanungen hatten einen längeren Baustillstand zur Folge. Ende 2011 wurde die Sanierung des Therapiebades in die Planungen aufgenommen. Schon in dieser Phase beschwerten sich die Eltern über den unzuverlässigen Zeitplan und äußerten Sicherheitsbedenken. Leider aus gutem Grund: Im März 2014 verunglückte ein Schüler auf der Therapiebad-Baustelle und wurde notärztlich behandelt. Im September 2014 erkrankten mehrere Lehrer aufgrund hoher Staubbelastung in der GHS. Am 19. Januar dieses Jahres trat bei den Bauarbeiten im Therapiebad eine Staubwolke aus. Sieben Lehrer mussten sich daraufhin krankmelden.

Schule droht Baumarathon

Laut Auskunft des Da-Di-Werks seien aber keine Schadstoffe freigesetzt worden. Trotzdem wurden die Bauarbeiten erneut seit 5. Februar eingestellt. Und der Schule droht ein Baumarathon, denn laut dem Architekturbüro soll der Abschluss der Arbeiten bis 2028 dauern. Der Grund: Das Da-Di-Werk hat Planer und Bauunternehmen dazu aufgefordert, an der GHS nur in den Sommerferien tätig zu sein. Kreispressesprecher Horneff gibt Hoffnung, dass es doch schneller voran geht: „Die Architekten sind derzeit dabei, das Projekt so umzuplanen, dass in den sechswöchigen Sommerferien möglichst viele Arbeiten erledigt werden können. Die Herbst- und Osterferien werden für die Umsetzung kleinerer Maßnahmen genutzt.“ Doch noch lange wird der Schulalltag beeinträchtigt sein. Derzeit nicht zur Verfügung stehen die Lehrküche, die Sporthalle, das Therapiebad, der Wahrnehmungsraum und der Musikraum. Und Duschen gibt es auch keine. „Wenn sich ein Kind vollmacht, müssen wir mit dem Waschlappen rangehen“, sagt Hirth. Die Musikinstrumente blockieren die Bibliothek, der Deckenlifter ist gesperrt, viele Gänge enden als Sackgasse. Jacqueline Gärtner, Mitglied der Schulkonferenz, bezeichnet die Situation als demotivierend für die Lehrer, vor allem aber als „großes Problem für die künftige Entwicklung der Kinder“. So fehle etwa die Lehrküche, wo die Schüler wichtige Grundlagen zu Essenszubereitung und Hygiene und damit Grundvoraussetzungen für ein selbstständiges Leben lernen sollen.

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