Gehbehinderte sollen Treppen benutzen

Baustelle am Deutschherrnufer sorgt für Ärger

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Schotter und beengte Platzverhältnisse ärgern viele Verkehrsteilnehmer am Frankensteiner Platz/Deutschherrnufer.

Frankfurt -  Ernst Kettler ist seit Monaten auf zwei Gehhilfen und einem Spezialschuh angewiesen. Am Deutschherrnufer kommt der damit aber nicht weit. Eine Baustelle versperrt den Weg. Nach Willen der Stadt soll Kettler deshalb die Treppe nehmen.

Ernst Kettler ärgert sich jedes Mal, wenn er am Deutschherrnufer entlang muss. „Die Wege zwischen dem Frankensteiner Platz und der Alten Brücke sind für mich und Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Mütter mit Kinderwagen äußerst schwierig“, sagte der 67-Jährige während eines Rundgangs vor Ort. Der Hinweis, dass man doch bequem am Mainufer entlang gehen könne, nützt diesen Menschen nichts: Die Treppen an der Ignatz-Bubis-Brücke und an der Alten Brücke sind für sie keine Alternative.

Nun ist der Weg am Deutschherrnufer stadteinwärts auf der linken Seite fertig – fast. „Wieso gibt es da noch Lücken? Hätte man diesen Fußweg nicht durchgängig fertigstellen können?“, wollte Ernst Kettler wissen. Von Monika Sellke, Straßenverkehrsamt, kam dazu folgende Auskunft: „Der Gehweg konnte zu diesem Zeitpunkt nicht fertiggestellt werden, da an dieser Stelle parallel Maßnahmen der Bergiusschule (Fertigstellung der neuen Treppe, Anmerkung der Redaktion) im Gange waren. Als diese abgeschlossen waren, konnte die Stadt Frankfurt nicht länger warten, sonst hätten wir die vertraglich vereinbarte Bauzeit gefährdet. Wir mussten also in die nächsten Bauphasen übergehen und haben den noch nicht fertiggestellten Bereich in die Herstellung des Vorplatzes der Bergiusschule angebunden. Geplant ist, diesen Bereich bis zum 31. Juli fertigzustellen.“

Wenn ein Laster kommt, wird es gefährlich

Ernst Kettler bemängelte vor Ort aber auch den Schotter auf den Fußwegen im Baustellenbereich, der nicht nur für Mobilitätseingeschränkte eine Zumutung sei. Das Straßenverkehrsamt ging darauf nicht konkret ein und antwortete stattdessen: „Die verkehrsrechtliche Anordnung zu diesem Zeitpunkt besagt, dass der Fußgänger nicht in diesem Baufeld zu führen ist. Es ist einfach zu gefährlich. Es wurden vor Ort nach dem verfügten Verkehrslenkungsplan alle Hinweise und Beschilderungen aufgestellt.“ Angeboten wird demnach der Umweg über die östlichen Treppen der Ignatz-Bubis-Brücke. Außerdem heißt es: „Um zu unterbinden, dass die Fußgänger auf die Fahrbahn des westlichen Deutschherrenufers gelangen, werde das Amt für Straßenbau und Erschließung mit dem Straßenverkehrsamt nach Lösungen suchen, den Fußgänger im Vorfeld auf die Sperrung aufmerksam zu machen.“ Zudem könne die Rampe gegenüber dem Haus der Jugend genutzt werden. Tatsache ist jedoch, dass viele Passanten diese Vorschläge, die große Umwege bedeuten, nicht ernst nehmen. Also nutzen Fußgänger und Radfahrer die Straße, teilen sich die ohnehin schmale Fahrbahn mit den Autos. „Die fahren hier sehr vorsichtig“, lobte Ernst Kettler. Aber wenn ein Laster kommt, wird es zwangsläufig gefährlich.

Bis zum 12. Juli gibt es noch eine Vollsperrung des Deutschherrenufers im Abschnitt zwischen Ignatz-Bubis-Brücke und Flößerbrücke, weil dort die Fahrbahn erneuert wird. Im Kreuzungsbereich Walter-Kolb-Straße/Elisabethenstraße/Brückenstraße allerdings kommen die Arbeiten voran – dort soll bis zum 3. Juli alles fertig sein.

Das Deutschherrnufer bleibt bis Jahresende Baustelle und Nadelöhr für normalerweise rund 20.000 Motorisierte, die sonst täglich in diesem Bereich gezählt werden. Wer nicht unbedingt an dieser Baustelle entlang muss, sollte den Bereich meiden. Denn bereits auf dem nördlichen Mainufer bilden sich an den Kreuzungen an der Schönen Aussicht und den drei Brücken nicht nur in den Hauptverkehrszeiten Staus.

jf

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