Vorwurf: Kein politischer Wille vorhanden

ADFC Fahrradklima-Test: Wollen die Verlierer lieber schieben?

+
Obwohl Hofheim davon spricht, nachweislich viel für die Fahrradfreundlichkeit zu tun, ist die Stadt beim Fahrradklima-Test in Hessen nur auf dem vorletzten Platz gelandet. Schlusslicht ist Wiesbaden. Kritik kommt auch vom örtlichen ADFC.
  • schließen

Hofheim  - Hofheim ist einer der Verlierer des Fahrradklima-Tests in Hessen. Die Kommune landete auf dem vorletzten Platz, und das, obwohl die Stadt betont, viel für die Fahrradfreundlichkeit zu tun und bereits getan zu haben. Das sieht der örtliche ADFC  aber anders. Von Dirk Beutel 

Lesen Sie außerdem:

Yorkshire-Terrier überfahren und zerfleischt - Täter flüchtet

ADFC Vorsitzender Stefan Janke: Radfahren auf der Straße muss zur Regel werden.

Vorletzter Platz für Hofheim, Bad Homburg belegt Rang 50 von 54 teilnehmenden Kommunen beim Fahrradklima-Test  des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Während andere Städte wie Oberursel (Platz sieben), Kriftel (Platz acht) oder Sulzbach (Platz zehn) zu den Top Zehn in Hessen gehören, rangieren diese beiden Kommunen im Tabellenkeller.
In Bad Homburg  kennt man das Übel: „Wir haben Defizite im Radwegenetz. Die Punkte sind der Stadt bekannt, doch leider kurzfristig nicht zu ändern.“ Kleinere Projekte zum Radwegenetz könne die Stadt voraussichtlich erst ab Herbst wieder in Angriff nehmen. Derzeit sei die Stelle in der Verkehrsplanung nicht besetzt, heißt es.

Grüne schießen gegen Hofheimer Radverkehrspolitik

Speziell in Hofheim ist die schlechte Platzierung Wasser auf die Mühlen der Kritiker, allen voran für die Hofheimer Grünen: „Während in fast allen Kommunen des Kreises Radverkehrsverbindungen  gut beschildert sind, endet dieser Service an der Gemarkungsgrenze Hofheims. Ebenso auffällig sind nicht abgesenkte Bordsteine  auf Wegeverbindungen und die geringe Anzahl von geöffneten Einbahnstraßen für Radler in Gegenrichtung. Auch der Radwegebau und die Schaffung von Fahrradschutzstreifen  hinkt in Hofheim weit hinterher. Radfahrern wird in Hofheim der Eindruck aufgedrängt, sie wären in der Kreisstadt nicht erwünscht“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Diese Einschätzung mag man bei der Stadt nicht teilen: „Der Stadt liegt sehr wohl daran, dass möglichst viele Menschen vom Auto auf das Fahrrad oder den öffentlichen Personennahverkehr umsteigen. So sollen die Bedingungen für Radfahrer nach und nach verbessert werden und daran arbeitet die Stadt. Aber anders als der ADFC muss die Stadt auch die Anliegen der weiteren Verkehrsteilnehmer berücksichtigen“, heißt es aus dem Rathaus.

Stadt nennt gelungene Radprojekte

Entgegen aller Kritik, hebt die Stadt ihre bereits geleisteten Anstrengungen hervor. „An vielen Stellen wurde die Beschilderung, die eine Durchfahrt für Fahrzeuge aller Art verbietet, so geändert, dass Radfahrer dort durchfahren dürfen. Umgesetzt wurden auch Bordsteinabsenkungen. Ebenso wurden Einbahnstraßen für Radfahrer im Gegenverkehr geöffnet, unter anderem wurden die Einbahnstraßen in der Hunsrückstraße in Marxheim, in der Straße Im Zwengel in Diedenbergen oder im Medenbacher Weg in Wildsachsen für den Radfahrer in Gegenverkehr geöffnet.“ Weitere Änderungen sollen folgen, wie etwa die Verkehrssituation am Hofheimer Busbahnhof.

ADFC: In Hofheim kein politischer Wille vorhanden

Die kritisiert der ADFC Main-Taunus-Kreis  schon länger: „Gerade an diesem Knotenpunkt ist die Situation für Radfahrer fatal. Aber in der Verwaltung ist man gerne mal der Meinung, man könne vom Rad absteigen und schieben“, sagt Sprecher Holger Küst. Und: „Außer in ein oder zwei Fällen wird der ADFC nicht in relevante Planungen miteinbezogen.“ Diesen Vorwurf weist die Stadt von sich: „Das Gegenteil ist der Fall. So war der ADFC in die Planungen zur Erneuerung des Schmelzweges oder bezüglich der innerstädtischen Weiterführung des Radweges entlang der Reifenberger Straße einbezogen.“

Mehr zum Thema

Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

Kommentare