Ohne Versicherung kein Defribilator-Implantat

Nur acht Prozent Herz: 30-Jähriger Adil Hadiki kämpft um sein Leben

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Adil Hadiki liegt bei seiner Tante im Bett. Für die eigentlich notwendige Überwachung im Krankenhaus fehlt das Geld.

Region Rhein-Main - Weil Adil Hadiki  nicht versichert ist, soll er sterben. Die Kosten für eine sofort notwendige Implantation  eines Defibrilators  kann der 30-Jährige nicht selbst tragen. Und die Klinik will erst operieren, wenn Geld fließt. Nun hofft er auf ein Wunder. Von Christian Reinartz 

 

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Eigentlich kommt der 30-Jährige Adil Hadiki vor drei Monaten aus Marokko  nach Deutschland, um sich wegen seines Herzfehlers behandeln zu lassen. Doch nachdem die Ärzte einen Katheder  gelegt haben, ist klar: Adil braucht sofort ein Defibrilator-Implantat, sonst kann er schon bald sterben. Sein Herz hat laut den Ärzten nur noch eine Leistung von acht Prozent.
Geld hat der junge Mann keines mehr. Nicht mal mehr, um im Krankenhaus überwacht zu werden. Stattdessen liegt er zu Hause bei seiner Tante, die in Frankfurt wohnt. In einem normalen Bett. Mit minimaler medizinischer Versorgung hofft er jeden Tag, dass er den nächsten überleben wird.

Statt einer OP gab´s einen Kostenvoranschlag

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„Es ist schrecklich, das mit anzusehen“, sagt Radik Tajjiou. Er ist Mitglied im Frankfurter Verein Aamana. Dort kümmert man sich um Integration und will der Völkerverständigung dienen. „Sicher helfen wir auch vielen Menschen in Not. Aber der Fall von Adil bewegt uns sehr. Es kann doch nicht sein, dass ein junger Mann mit 30 Jahren in Deutschland stirbt, weil er sich die Behandlung nicht leisten kann“, sagt Tajjiou.
Bei der OP geht es um keine außergewöhnliche Leistung. „Diese Operation würde jeder Kassenpatient sofort bezahlt bekommen“, sagt Yvonne Wagner, Sprecherin derTechniker Krankenkasse  Hessen. Trotzdem gilt bei manchen Krankenhäusern der Region offenbar der Grundsatz: Nur wer zahlt, wird auch gerettet. Als Beweis, wie das Geschäft mit Adils Leben läuft, hält Radik Tajjiou den Kostenvoranschlag einer Heidelberger Klinik in die Höhe. Rund 25.000 Euro kostet der Eingriff. Allerdings nur, wenn keine Komplikationen entstehen. Inklusive sind drei Tage Krankenhausaufenthalt.

Verein sammelt händeringend nach Geldspenden

Spendenkonto:

Aamana e.V.

Frankfurter Sparkasse

Iban: DE23500502010200552368

„In der Klinik sagte man uns, dass man erst dann operieren werden, wenn 80 Prozent des Betrages zur Verfügung stünden“, sagt Dounya Hammouchi vom Vorstand des Vereins und fügt hinzu: „Ich wollte es nicht glauben, als ich gemerkt habe, dass wirtschaftliche Interessen wichtiger sind als ein Menschenleben. Das ist doch moralisch gar nicht vertretbar. Da läuft etwas falsch.“ Der Verein versucht nun händeringend das Geld für die OP aufzutreiben. Bisher seien 13.000 Euro zusammengekommen. 12.000 Euro fehlen noch.

Währenddessen bangt Adil Hadiki jede Minute um sein Leben, ist trotz allem dankbar für die bisherige Hilfe: „Als ich in Marokko war, hatte ich kaum Hoffnung. Aber die Menschen und Ärzte hier haben mir viel Kraft gegeben.“ Dennoch gibt es Tage, an denen ihn die Todesangst überkommt. „Dann denke ich an meinen verstorbenen Vater und frage mich, warum es ausgerechnet mich getroffen hat.“ Tajjiou nehmen solche Momente mit. „Dann ist Adils Angst manchmal so groß, dass er beginnt, Selbstgespräche zu führen, um sich zu beruhigen.“ In besseren Momenten träumt der junge Mann von seiner Zukunft. Und zwar ganz bescheiden: „Ich will einfach wieder spazieren gehen können.“

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