298 Absagen in zehn Jahren

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Trauriger Blick: Fatih Cengiz zeigt auf eine Bewerbungsmappe.

Dreieich – Fatih Cengiz ist verzweifelt! Seit zehn Jahren ist der Dreieicher auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Bisher hat der 29-Jährige nur Absagen bekommen – dabei hat er schon 298 Bewerbungen geschrieben. Keiner versteht, warum Cengiz nirgendwo arbeiten darf. Von Julia Renner

Nach dem Hauptschulabschluss hat Fatih Cengiz schnell gemerkt, dass es schwierig wird, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. „Hauptschule ist heute nichts mehr wert“, sagt er. Als Azubi zum Verkäufer, Bäcker, Einzelhandelskaufmann hat er sich nach dem Abschluss beworben, jedoch ohne Erfolg.

Deshalb hat er sich weitergebildet, hat die Fachoberschulreife gemacht. Mit Note 2,5 hat Fatih Cengiz abgeschlossen und sich wieder beworben. Als Informatiker, Industriekaufmann, als Automobilverkäufer. Wieder vergeblich. „Dann habe ich ein Fernstudium zum Immobilienmanager gemacht.“ Doch einen passenden Ausbildungsplatz hat er im Anschluss nicht gefunden.

"Unternehmen sind selbst Schuld am Fachkräftemangel"

Mehrere sechsmonatige Praktika in den Bereichen Qualitäts- und Finanzmanagement und im Vertrieb hat er absolviert, Seminare über Gesprächsführung, Gestik und Körperhaltung hat er besucht und sich immer wieder beworben. Mittlerweile hat er 298 Schreiben an Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet geschickt, aber auch an Firmen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. „Ich bin nicht der Typ, der Zuhause sitzt und nichts tut“, sagt Cengiz. Doch mittlerweile ist er verzweifelt.

Vor einigen Monaten hat er mit einem Fernstudium zum Wirtschaftsprüfer begonnen. „Aber wie lange soll das noch so weitergehen?“, fragt sich Cengiz. Nur Theorie bringe ja auch nichts, findet er. „Und ich will beruflich ja auch voran kommen.“ Deshalb bewirbt er sich weiter.

Cengiz findet, dass viele Unternehmen selbst Schuld sind am Fachkräftemangel. „Jetzt werden sie gesucht, aber niemand bildet sie aus“, sagt er.

Warum er bisher nur Absagen bekommen hat, weiß er nicht. In den Schreiben der Unternehmen stehe nie eine Begründung, sagt er. „Und ich kann es mir nicht erklären.“ Schon oft hat er in den Firmen nachgefragt. Doch mit Verweis auf den Datenschutz wollte ihm niemand einen Grund nennen.

Wer bietet Fatih Cengiz einen Ausbildungsplatz?

Jan-Frederik Brieskorn, Bewerbungs-Experte von Adecco Personaldienstleistungen in Offenbach, hat einen Blick auf die Unterlagen von Cengiz geworfen. Er sagt: „Die Bewerbung wirkt wie aus dem Buch abgeschrieben. Sie muss aber persönlich sein.“ (Weitere Tipps zur Bewerbung im untenstehenden Text.)

Fatih Cengiz wird weiterhin Bewerbungen schreiben und auf einen Ausbildungsplatz hoffen – egal, in welchem Bereich. „Ich interessiere mich für vieles.“ Am liebsten würde er eine Ausbildung in den Bereichen Immobilien, Finanzen, Versicherungen oder im Automobilbereich.

Wer Cengiz einen Ausbildungsplatz anbieten möchte, meldet sich per E-Mail: redaktion@extratipp.com.

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