Abgetaucht: Stein erkundet Bergsammler

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Stadtrat Volker Stein auf dem Weg nach unten.

Frankfurt – 110 Jahre lang sind durch den Bergsammler, einer der großen unterirdischen Kanäle der Stadt Frankfurt, die Abwässer entlang geschwappt. Jetzt wird er grundlegend saniert. Von Norman Körtge

Das mehr als 100 Jahre alte Klinkergemäuer des Bergsammlers wird durch die hellblauen, durch Glasfaser-verstärkte Kunststoffrohre wieder dicht gemacht. Stadtrat Volker Stein machte sich von den Arbeiten in der Tiefe selbst ein Bild.

Leicht schimmert das gestreifte Hemd und die Krawatte noch unter dem weißen Einweg-Maleroverall hindurch. Kontrast bekommt das Ganze durch die knallgelben Gummistiefel und den nicht weniger gelben Bauhelm, den Stadtrat Volker Stein auf dem Kopf trägt. Er strahlt übers ganze Gesicht als er an der Ecke Deutschordenstraße / Holzhecke an Gurten gesichert in den engen Gullyschacht steigt. „Dass ich einfach so abtauche, wünscht sich bestimmt manch politischer Gegner“, sagt er, grinsend, streckt den Daumen in seinen blauen Arbeitshandschuhen nach oben und steigt ab.

Fünfeinhalb Meter tiefer und um ein paar Grad wärmer, erblickt er, was die Arbeiter um Projekt-Leiter Martin Müller dort seit Monaten schaffen: Die rund 5,8 Millionen Euro teure Sanierung des Bergsammlers. Auf einer Länge von 1750 Metern werden in das ovalförmige Klinkergemäuer hellblaue Kunststoffrohre geschoben. Wegen der Größe und der Bauweise des Kanals, der die Abwässer zur Reinigungsanlage nach Niederrad transportiert, konnte kein Standardverfahren angewandt werden.

Die Stadtentwässerung Frankfurt (SEF) entschied sich deshalb für die geschlossene Bauweise. Ein Vorteil: Es mussten nicht die gesamten Straßenzüge entlang Schwanheimer und Kelsterbacher Straße, Niederräder Landstraße und Deutschordenstraße aufgerissen werden. Sieben Baugruben reichten, um die Teilrohrstücke in die Tiefe zu schaffen.

Von der Ingenieurkunst sind die SEF-Chefs Ernst Appel und Werner Kristeller überzeugt. Ihrer Einschätzung nach sollte es nach der Sanierung wieder rund 100 Jahre dauern, bis ein Stadtrat erneut den Bergsammler begutachtet.

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